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Landpartieen und Kremserfahrten

Full text: Berliner Kinder / Haering, Oskar (Public Domain)

SE SII 12 
will ich dich im Herbst zu meinem Jugendfreunde Meisel 
nach Prenzlau in die Sc<hornsteinfegerlehre geben.“ 
„Ah nein, lieber, bester Vater“ bat der arme 
Sünder jetzt im wohlklingenden Hohdeuts<, „nur das 
nicht! Jh will ja auch gerne vernünftig sein und brav 
und fromm und freundlih thun, wenn es durc<aus 
nicht ander3 geht. Aber Schornsteinfeger kann ich und 
mag ich nicht werden.“ 
„3a, ja, an Versprechungen läßt du es niemals 
fehlen. Das weiß ic< sc<on, aber von Besserung ist 
dann hinterher keine Rede. Wie oft habe ich dich shon 
gebeten , ein vernünftiges Deutsc< zu sprechen! Du 
kannst es ja doc und bist in der Schule dazu gezwungen. 
Aber sobald du diese mittags im Rücken hast, redest 
du ein Zeug, als stammtest du von den Botokuden ab. 
Habe i<m denn deshalb deinem Wunsche nachgegeben 
und dich das Gymnasium besuchen und Griechisch und 
Lateinisc<h lernen lassen, damit du dich in Ausdrücken 
ergehst, die kein Pferd versteht?“ 
„Aber lieber, guter Vater lass' mir doch das kleine 
Vergnügen! I< lerne do<h au fleißig, i< habe immer 
die besten Censuren nach Hause gebracht und bin regel- 
mäßig verseßt worden. Du hast dich selbst darüber ge- 
freut und hast mir versprochen, daß ic<h die Natur- 
wissenschaften studiren darf. Und nun soll ih wider 
Willen zum Scornsteinfeger gezwungen werden!“ Und 
dem kleinen Schelm liefen in der Erregung die hellen 
Thränen über die Wangen. 
„34 habe gegen deine Leistungen in der Schule 
nichts einzuwenden,“ nahm sein Vater wieder das Wort. 
„Denn deinen Fleiß erkennt auch dein Ordinarius, 
Doctor Schulze, an; er hat mir erst kürzlich versichert,
	        
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