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Kleines Volk

Full text: Berliner Kinder / Haering, Oskar (Public Domain)

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Ein bei vielen Knaben besonders beliebtes Ziel der 
Sommerwanderung sind die Maulbeerbäume, welche am 
Wege von Köpeni> nac< dem Dörfchen Müggel3heim, 
kurz vor dem Ausgange desselben, angepflanzt sind. 
Die beliebten und besonder3 heiß begehrten Beeren 
sind indessen ohne herois<e Kämpfe und ohne verzwei- 
felte Tapferkeit meistens nicht zu erlangen. Denn dieses 
Terrain betrachtet die Köpenicker Straßenjugend als ihre 
eigentlihe Domäne und wat eifersüchtig und eifrig 
über ihrer Gerehtsame. 
Ein anderes Vergnügen, das augenscheinlich auch 
nicht den geringsten Nuten stiftet, ist das Sammeln von 
Scaalthieren am grünen Strand der Oberspree. =- 
Diese Muscheln werden mit dem stolzen Namen „Austern“ 
belegt und von jugendlichen Ausflüglern in großer Zahl 
nach Hause geschleppt. Zu welchem Zwecke das geschieht, 
habe ich nicht ergründen können; ich habe mich oftmals 
danach erkundigt, aber stets nur ungenügende Aufklärung 
erlangt. Denn es hieß immer: „Wir nehmen de Austern 
mit zu Hause.“ 
Auch das Sammeln von Roßkastanien und Eicheln 
ist bei Jung und Alt ein im Herbst sehr beliebter Sonn- 
tag5zeitvertreib. 
Knaben, zu größeren Trupps vereinigt, machen an 
den Sonntagen Turnausflüge, bei denen es gilt, weite 
Märsche in schnellem Schritt zurü&zulegen. An der 
Spike eines solhen Trupps marschirt in der Regel ein 
leidlich geübtes Trommler- und Pfeifercorps. Die Turn- 
fahrten gehen mit Vorliebe nach den Orten des oberen 
Spreelaufe3, namentlich über Köpeni>, über Friedrich3- 
hagen nach den Müggelbergen und weiter. Die Müggel- 
berge sind vielfach aud das Ziel der oberen Knabenklassen
	        
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