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Die Hasenheide

Full text: Berliner Kinder / Haering, Oskar (Public Domain)

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„Det 's 'n berliner Droschkenpferd. Wenn man 
denkt, et fällt, denn liegt et shon.“ 
Zu den um die Rosinante Leidtragenden, welche 
endlich do< wieder aufgerichtet wurde, hatte sih der 
Verkäufer der warmen „Knobländer“ gesellt. Zur Feier 
des Sonntags hatte der Mann sich mit einem Bouquet 
von bedenklihem Umfange geschmüdct, von solcher Größe, 
daß die kleinen Spötter behaupteten: „An den Strauß 
kann sich 'ne Kuh sattfressen.“ Der Mann mit der 
weißen Schürze und dem Kochapparat vor dem Bauch 
schien überhaupt Vorliebe zu besizßen für das Große: er 
war nicht nur mit dem umfangreichen Bouquet geziert, 
sondern auch von der Natur mit einem ungewöhnlich 
großen Mund begabt worden. Natürlih war auch 
dieser das Ziel de3 Spottes der jugendlihen Spottvögel, 
welche ihr Urtheil dahin fällten: „Der Wurstonkel kann 
fich alleene wat in't Ohr sagen.“ 
Aber weder Strauß noh Mund hinderten die kleinen 
Plagegeister, dem Onkel Feldtrappe mit einem neuen 
begehrlichen Verlangen unter die Augen zu treten, welches 
Gestalt und Leben gewann in den Worten: „Onkel, 
koof' uns jeden 'n Paar Warme! Det is 'n Jedanke 
von Schiller.“ 
Der wandelnde Wurstladen aber, der seinen Vor- 
theil mit unvergleichliher Geiste8gegenwart wahrzu- 
nehmen wußte, unterstüßte das kindliche Verlangen durch 
den anpreisenden und einladenden Ruf: „Warm sind se 
noh, kalt werden se bald.“ 
Onkel Feldtrappe protestirte zwar mit ungewöhnlicher 
Entschlossenheit gegen diesen laut gewordenen Wunsch, 
indem er- sehr richtig meinte: „Ac< wat, Ihr habt Euch 
ja erst vor'n Oogenbli> mehr als satt jejessen. Ihr
	        
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