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Die Hasenheide

Full text: Berliner Kinder / Haering, Oskar (Public Domain)

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„ott, jib mir Taft zum Kragen! Nu fängst du 
oo< al' an zu predigen? J> hab' mir abrabazzt 
bei det Seilloofen und denn hab' i> obenin noch 
Fritzen beuffsichtigt, det er sich nich 'n Hals und Arme 
und Beene und wat weeß i> noh sonst Allens nich 
jebrochen hat, und zum Dank für meine Treue freust 
du dir wie'n Schneekönig, det du mir shleht machen 
kannst! Nee weeßte, verstehste, Mieze, det i8 wirklich 
und wahrhaftijen Jott ja nich mehr schön von dir!“ 
„3<9 meine es ja gar nicht so schlimm, Wilhelm,“ 
gab sie zur Antwort und sah ihm in das frische, jugend- 
schöne Angesicht." Seine blauen strahlenden Augen 
brannten ihr wie zwei Flammen entgegen, und die 
Versöhnung wäre möglicherweise gerade wie damal3 in 
Saatwinkel mit einem Kuß besiegelt worden, wenn 
nicht der gestrenge Onkel Feldtrappe zur Stelle gewesen 
wäre, der so ungemein viel hielt auf Anstand und Sitte. 
Das Mädchen schloß die Hand des Knaben in ihre 
beiden kleinen Hände und sprach leise und verschämt: 
„Aber ein Gedicht bist du mir schuldig, Wilhelm, dafür, 
daß du vorhin so ungezogen warst.“ 
„Ib id unjezogen jewesen bin, det woll'n wir nich 
weiter untersuchen. =- Deinen Anspruch auf das Gedicht 
aber will ich anerkennen, Jüngferlein, und ich will dich 
besingen, daß alle kleinen Vögel in der Hasenheide auf- 
hor<en sollen, wenn meiner Verse Zauberklang in das 
Ohr ihnen tönt.“ 
„A<h Wilhelm,“ rief sie freudig aus und Uatschte 
in die Hände, „das wird hübsch, das wird himmlisch! 
Aber wie wunderlich du auf einmal sprichst, Wilhelm. 
Warum drückst du dich nicht immer so gewählt, so vor- 
nehm aus?“ 
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