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Die Hasenheide

Full text: Berliner Kinder / Haering, Oskar (Public Domain)

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Es war an einem schönen Frühmorgen am Aus- 
gang des Sommers, An dem großen Kandelaber, der 
inmitten des Blücherplatßes sich erhebt, drängten um einen 
hoc<hgewachsenen hageren Mann sich eine Anzahl sonn- 
täglich gefleideter Kinder. Es sind alte Bekannte von 
der Kremserfahrt nac< Saatwinkel: Schneider Feldtrappe, 
Wilhelm und Otto Behrendt, „Mieze“ und Rudolf Maus 
und Frit Dunkelberg. Feldtrappe zog mehrmals die 
Uhr und sah si< unruhig um; endlich sprach er: „J> 
weeß jar nich, wo der Junge, der Willy, bleibt? Er 
wollte do< Punkt sieben Uhr hier uff'n Plaß. sind.“ 
„Wird sofort erscheinen, Onkel. Da kannst du 
Jift druff nehmen. Den Willy kenn' ic; er i8 pünktlich,“ 
vertheidigte Wilhelm Behrendt seinen Busenfreund und 
Alterögenossen Willy Krieger, welcher mit seinen beiden 
jüngeren Schwestern dem heutigen Ausflug nach der 
Hasenheide sich anschließen wollte. Willy war ein ent- 
fernter Verwandter Feldtrappes, der ihn dieses Vorzuges 
halber auch gewöhnlich mit „Neffe Willy“ anredete; ab 
und zu nannte er ihn jedoch auch „Neffe Querüber“, 
und diesen absonderlihen Ramen verdankte der Neffe 
dem Umstand, daß die Wohnung seiner Eltern derjenigen 
Feldtrappes gerade gegenüber lag. 
Wilhelm Behrendt hatte richtig prophezeit. Denn 
wenige Minuten nach sieben Uhr meldete Neffe Willy 
mit seinen beiden Schwestern sich zur Stelle. Die 
jüngeren Schwestern pflegte Neffe Willy, der ein „ge- 
wiesfter Junge“ war, meistens mit dem Ausdru> „die 
Kinder“ zu bezeihnen. Und so wendete er sich denn 
auch an Feldtrappe mit den Worten: 
„Zu'n Morjen, Onkel, hier bin i> mit de Kinder. 
Nee, wie i> mir freue, det i> dir beurjrunzen kann!“ 
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