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Kleines Volk

Full text: Berliner Kinder / Haering, Oskar (Public Domain)

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Polizei duldet diesen Handel zwar nicht, aber die kleinen 
Uebertreter des strengen polizeilichen Verbot3 wissen sich 
dem wachsamen Auge und den Nachstellungen der Shuß- 
leute so geschi>t zu entziehen, sie verstehen es derart 
meisterlich , sich beizeiten aus dem Staube zu machen, 
daß es nur selten gelingt, den einen oder anderen Uebel- 
thäter abzufassen. Ist aber denno<h ein sol<her Fang 
einmal geglüdt, jo legt der kleine Blumenhändler sich 
jo lange auf's Bitten, bis der mitleidige Shußmann unter 
ernstliher Verwarnung ihn für dasmal laufen läßt; 
find aber die Bitten vergeblic<, so widerseßt sic< der 
Missethäter, namentlich wenn er ein Junge ist, seiner 
Abführung nac< dem nächstgelegenen Polizeibureau mit- 
unter ganz energisc< und hin und wieder gelingt es ihm 
auc< wol, dur<hzubrennen. Es ist der Fall vorgekommen, 
daß der Vorsißende des Gerichts, das einem solchen 
jugendlichen Widerspenstigen die verdiente Strafe zu- 
diktiren sollte, an diesen die Frage richtete, weShalb er 
fich der Abführung widerseßt habe. Der Vorsißende 
erhielt die drastische Antwort: „Na, det is ooch nich schön.“ 
Die Frage: „Was bist du?“ fand Erledigung durch 
die Erklärung: 
„3& bin Blumenmächen.“ 
„Aber du bist doZ9 kein Mädchen, du bist ja ein 
Junge.“ 
„Schad't nischt, i> bin Blumenmächen.“ 
Ein weiterer Erwerb3zweig, an dem wunderbarer- 
weise sogar die Kinder wohlhabender Eltern sich betheiligen, 
ist der Verkauf von Hampelmännern und Waldteufeln, 
die mit dem Beginne de3 Monat3 December an allen 
Straßenec>en feilgeboten und jedem Vorübergehenden 
unermüdlich angepriesen werden.
	        
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