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Restaurants, Weinstuben und Aehnliches

Full text: Berliner Kinder / Haering, Oskar (Public Domain)

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gründlich, weil augenscheinlich ein Ges<häftsgeheimniß 
hinter dieser Kostümirung ste>t. Der alte Friebe hat 
fich leider jeht ein hö<st elegantes Haus zu einer ausge- 
dehnten Wirthschaft einrichten lassen, während seine ur- 
sprüngliche Kneipe, die ebenso so originell als gemüthlich 
war, eigentlich nur aus einem über den geräumigen Kel- 
lereien gelegenen Verkaufslocal befand, an das sich ein 
enger, dunkler und zum größten Theil mit mächtigen Wein- 
fässern angefüllter Raum schloß, in wel<hem gewöhnlich 
ein undur<dringliher Tabaks8qualm wogte und wallte. 
In diesem engen Behältniß mußte Derjenige sich einen 
Platz suchen, welcher beabsichtigte, bei dem alten Friebe 
ein oder mehrere Gläser oder Flaschen Wein zu trinken. 
Ob es deren mehrere werden, hing damals und hängt 
auch jetzt noh keineSweg3 allein von der Trinklust oder 
dem Durst, sondern auch von der Fähigkeit des Gastes 
ab, Scherz und Ernst unterscheiden zu können. Denn ist 
der alte Friebe guter Laune, so erlaubt er si wol den 
Spaß, das Verlangen nac< mehr Wein mit dem un- 
eigennüßigen Rath abzushlagen: „Sie haben völlig ge- 
nug getrunken, gehen Sie nur ruhig nach Hause. Denn 
das ist Ihnen viel zuträglicher, als wenn Sie noh mehr 
Wein zu sich nehmen.“ Wer nun derartige Scherze 
übelnehmen zu sollen glaubt, verzichtet wol auf weiteren 
Weingenuß, falls er sich durch die Stammgäste nicht 
belehren läßt, daß der alte Friebe nur seinen Wi an 
ihm geübt habe. Schlechter pflegen diejenigen Gäste 
wegzukommen, welche einen herrischen oder gar befeh- 
lenden Ton anschlagen. Diese werden für ihre Un- 
vorsichtigkeit fofort bestraft. Sol<' Unglüdliher redete 
den alten Friebe eines Tages entrüstet an: „Nun 
siße ich mindestens eine halbe Stunde da und Sie
	        
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