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Restaurants, Weinstuben und Aehnliches

Full text: Berliner Kinder / Haering, Oskar (Public Domain)

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gen werden. Tritt dieser Fall ein, so ist es natürlich vorbei 
mit der ganzen Herrlichkeit de3 Wirthe8; alle Anstren- 
gungen, welche er dann auch macht, sind vergeblich; er 
kann jeßt die besten Getränke und Speisen führen, die 
Gäste haben ihn einmal erkannt, sie bleiben aus und 
kehren nimmer wieder. Und ohne Gäste, ohne einen 
flotten Verkehr ist das Sisal eines sol<hen Wirthes 
besiegelt; er geht in der Regel elend zu Grunde. Denn 
die Ersparnisse früherer Zeiten sind schnell verbraucht, da 
der Verdienst nicht mehr hinreicht, um die theuere Miethe 
und die sonstigen hohen Unkosten zu de>en, welche mit 
dem Betriebe einer Gastwirthschaft verbunden sind. = 
Wenngleih auch alle Straßen der Weltstadt mit 
Restaurants und Kneipen dicht besekt sind, so drängen 
und häufen dieselben sich doch in sol<hen Gegenden, in 
welchen das Leben und Treiben in den vollsten Schlägen 
pulsirt, wo der Lärm des Tages am Lautesten schallt. 
Das regste Leben und die fieberhafteste Thätigkeit und 
Geschäftigkeit herrschen zweifellos im Centrum, und dem- 
nach sind die Linden, die Friedrichstraße mit den sie 
kreuzenden Verkehr3adern und die leipziger Straße das 
eigentliche Eldorado der Restaurants. Unter den Linden 
befinden sich die glänzend eingerichteten, feinen Restau- 
rants von Aime, Dressel, Hiller, Juliß, Langle u. s[. w., 
in welchen meist nur vornehme3s und gewähltes Publi- 
fum verkehrt, das zu den oberen zehn Tausend gehört. 
Geldproßen, heraufgekommene Spekulanten, welche beim 
Essen 'ein unästhetis<es Geräusch mit dem Munde voll- 
führen, sich des Messers und mit Vorliebe auch der 
Finger anstatt der Gabel bedienen, fehlen freilich 
nicht neben den nobelen und vornehmen Erscheinungen 
der Aristokratie, der Officiere der Garde, der Gelehrten-
	        
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