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Kleines Volk

Full text: Berliner Kinder / Haering, Oskar (Public Domain)

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zu bestehen haben und, soweit sie dem Vaterlande des 
Grünbergers entstammen, si< dur< eine Eigenthüm- 
lichkeit auszeihnen, welche bekannt zu werden verdient. 
Jeder Bäcker trägt bekanntlich bei der Arbeit ein S<hurz- 
fell, das er ablegt, sobald seine Thätigkeit beendet ist. 
Die schlesischen Bäcerlehrlinge tragen aber nicht allein bei 
der Arbeit, sondern auch auf ihren Wegen zu den 
„Budikern“ und sonstigen Kunden ein Schurzfell vom 
didsten Rindsleder, in welches sie sich von der Brust bis 
zu den Füßen einschnüren. Für heiße Sommertage ist 
diese Mode, wie mir scheint, eine ebenso bequeme als 
empfehlenswerthe Tracht. In der berliner Volkssprache 
werden die schlesis<en Jungen des Bäcergewerbes 
„Sclesinger“ genannt; unter ihre3gleichen tituliren diese 
jich „Stist“, 
„Stift, wo willst du hin?“ „Stift, bei welhem 
Meister bist du?“ 
Den Bäcerlehrlingen auf dem Fuße folgen Knaben 
des verschiedensten Lebensalter3, von aht bis zu vierzehn 
Jahren, welche meistens eiligen Laufes oder schnellen 
Schrittes sich an ihr erstes Tagewerk begeben. Dieses 
erste Tagewerk -- das zweite ist der Besuch der Schule -- 
gehört vornehmlich vier verschiedenen Beschäftigungen an. 
Die eine derselben ist die Aufwartung bei einer Familie 
oder auh bei einzeln stehenden Personen und verlangt: 
Kleider veinigen, Stiefel pußen, Oefen heizen, Frühstüc> 
holen und andere dergleichen Verrichtungen. Zahlreiche 
s<hnelle und gewandte Kräfte erfordern die anderen drei Be- 
schäftigungszweige. Diese sind: das Besorgen von Back- 
waaren, Milc<h und Zeitungen. 
Verpackt in Beuteln, welche auf angebundenen 
Zetteln die Wohnungen der Empfänger angeben, liegen
	        
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