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III.

Full text: Ein Spaziergang von der Kaiser-Wilhelm-Brücke bis zur Weltausstellung / Fontane, Friedrich (Public Domain)

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hier ist das Stelldichein der vornehmen Welt, hier bildet sich der 
Wagen-Corso, hier wogt die Menschenmenge auf und ab, indeß 
Musikkorps, für die einige Kiosöke längs des Weges errichtet sind, 
lustige Weisen in die Luft schmettern. 
Berücksichtigt man diese gegebenen Momente, so wird es klar, 
welche vortreffliche Gelegenheit zur Entfaltung eines weltlichen 
Pompes gegeben ist. Für die Fahrt des Hofes, der Gesandten, der 
Spißen des Militärs und der Behörden vom Schloß zum Dom und 
zurück ist jezt der würdige Rahmen geschaffen, der die Feierlichkeit des 
Vorganges hebt. Während früher, wie Du weißt, der Lustgarten 
und der Opernhausplaß ein ganz kleines Terrain für die Auffahrt 
boten, erstreckt sich jeht der Zug über eine ganz beträchtliche Strecke, 
die an jeder Stelle dem Auge den schönsten Anblick gewährt. 
In dieser Beziehung dürfte Berlin jekt alle anderen Residenz- 
städte überholt haben. Von dem einstmals so getadelten klein- 
städtischen Charakter der Anordnung zur Besichtigung aller Schau- 
stellungen ist auch nicht mehr die geringste Spur vorhanden. 
Der zwischen der Charlottenburger Chaussee und dem König5- 
plaß gelegene Thiergarten bildet gewissermaßen die Vorbereitung 
zu der imposanten Massenentfaltung, die der Königsplaß darbietet. 
Malerische Baumpartien und prächtige Springbrunnen geben ihm 
einen pittoreöken Reiz, der die Genußfreudigkeit des Wanderers 
steigert. 
Südlich der Charlottenburger Chaussee bis zur Lenne-Straße 
breitet sich das neue Villenquartier aus, das ich schon früher 
erwähnte. Die Bauthätigkeit der 80er Jahre hatte alle für die 
Errichtung vornehmer Villen geeignet erscheinenden Plätze mit 
Beschlag belegt und immer enger wurde der Thiergarten von den 
neuen Straßenanlagen und Massenquartieren umspannt. Wer 
im Grünen wohnen und eine Villa mit Garten sein Eigen nennen 
wollte, war bereits weit hinter den Zoologischen Garten gedrängt, 
dorthin, wo die reizlose Sandebene sich vor den Thoren Berlins 
bis zum Grunewald ausdehnt. Daß weder diese Gegenden noch 
die durc< den Mangel an guten Terrains eingeführte Bebauung 
des Hinterlandes der Häuser an der Thiergarten-Straße den
	        
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