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VI. Der "Demagoge" Held.

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

bei welchem der Haß gegen die reichen Bürger und das System Hanse- 
mann weit ärger war als gegen den Prinzen von Preußen. Umsonst 
fielen alle satirischen Blätter über Held her, datirten ihre Nummern 
vom Tage seiner moralischen Hinrichtung und überschütteten ihn mit 
Spott. Seiner Anhänger sicher, veröffentlichte Held am 18. Sep- 
tember ein mächtiges Plakat: „Meine Jdee über die Verfassung 
Preußens und Deutschland 3“. Er verlangte darin Entlassung des 
Ministeriums, Auflösung der Nationalversammlung und Einsetzung 
eines Volkstribunen, der mit diktatorischer Gewalt binnen 4 Wochen 
Preußen eine Verfassung geben solle. Am Ende sprach Held die 
Hoffnung aus, daß der König zu Gunsten des Prinzen von Preußen 
abdanken, und dieser das Vertrauen de8 Volks durch große und 
freisinnige Zugeständnisse erringen werde. 
Bei der damaligen Stimmung in Berlin fand Held's „Jdee“ 
wenig Anklang. In einem Plakat: „Deine Jdee, Helde>en, is ne 
faule Jdee“ wurde der große Volksredner verhöhnt. „Volkstribun 
uf 4 Wochen, kiek mal, des is ja wohl eben so viel als Volks8- 
bejli>ker, un des is 'n faules Geschäft, det weeßt de doch ooh; 
plage Dir nich mit solchen Jrillen, des bringt Deine vermickerte 
Finanzlage nich wieder in Ordnung; det kannst Du glooben.“ 
„I> frage Dir, wat hast de von det Herumsißen uf de Festungen 
und von Deinen juten Willen? n' leeren Beutel und keenen Kredit 
mehr bei de Menschheit, det is det Ende vom Liede.“ „I> will 
Dir en juten Rat jeben, denn ich mag Dir, aufrichtig jesagt, jerne 
leiden, weil de so jroße Plakater machen kannst un se kosten nich 
viel, iE rathe Dir, ziehe Dir gänzlich von de undankbaren Mensch- 
heit zurück un laß se zufrieden, denn lassen se Dir ooch zufrieden.“ 
Und ähnlich äußerten sich die Wikblätter. Die demokratischen 
Klubs agitirten weiter und zankten sich unter einander, und Held 
ärgerte sie, indem er mit Schaaren von Anhängern ihre Versamm- 
lungsstätten besuchte, überall Aufnahme verlangte und tagelang 
ihre Debatten störte. 
Die aufgeregten Scenen in der Nationalversammlung Ende 
Oktober und Anfang November, die demokratischen Kongresse am 
26. und 27. Oktober, bei denen die Zerfahrenheit und Schwäche der 
Liberalen so recht klar zu Tage trat, raubten dem Streit Held's 
mit den Demokraten für einige Zeit das Interesse im Publikum. 
Am 10. November legte Held im Augenbli> des Einrükens Wrangels 
alle Schuld an den damaligen Ereignissen, welche der Revolution 
ein gründliches Ende machten, seinen namentlich aufgeführten 
Feinden unter den Demokraten zur Last, die ihm das Vertrauen 
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