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VI. Der "Demagoge" Held.

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

als der wahnsinnigen Angriffe Anderer. Er legte dar, wie er seit 
1842 der Sache des Volkes gedient, ungezählte Verfolgungen er- 
litten und nicht so viel erworben habe, um einen Tag sorgenfrei zu 
leben. Zum Lohn für seine Anstrengungen, durch treues Wort und 
Belehrung auf unblutigem Weg die Früchte der Revolution für's 
Volk zu retten, werde er mit Angriffen überhäuft. Den einen gehe 
er zu weit, den andern nicht weit genug. Man beschuldige ihn, ein 
Ministerportefeuille zu erstreben, nenne ihn sogar von der Regierung 
bestochen, ja man bedrohe sein Leben. Angesichts einer so mangel- 
haften politischen Bildung des Berliner Volks ziehe er sich auf sein 
Wirken durch die Schrift zurück und werde sein Augenmerk besonders 
der sozialen Frage widmen. -- Eine Zeit lang ist Held den Volks8- 
Versammlungen fern geblieben und hat sich begnügt, in seiner 
„Lokomotive“ zu hehen. Besonders die Gerüchte über die heimliche 
Cinquartierung von Soldaten im Zeughaus, dessen Verproviantirung 
und die Beseitigung der Waffenvorräthe gingen von ihm aus. Schon 
nach wenigen Wochen benutzte er aber wieder einen Anlaß, als 
Volksredner zu glänzen. Bei der großen Todtenfeier im Friedrichs- 
hain am 4. Juni ließ er sich durch einige Freunde zur Rednerbühne 
rufen und mahnte von da zur Verständigung der Berliner Demo- 
fraten mit den Provinzen. Noch am selben Tage forderte er durch 
Anschlag zur Bildung eines Vereins für diesen Zwe> auf. Als dieser 
Gedanke nicht recht einschlug, machte er sich an die Gründung eines 
Vereins „zurRadikal-Reform derErwerbsverhältnisse. “ Ererreichte damit 
wenigstens, daß er wieder öfter genannt und der Gegenstand leb- 
hafter Angriffe des „Preußenvereins für konstitutionelles König- 
thum“" (Reaktionsklub genannt), wurde. Diese Angriffe wurden 
besonders lebhaft, als Held, nachdem seine Hoffnung, zum Ab- 
geordneten gewählt zu werden, gescheitert war, sich um die Stelle 
des Kommandeurs der Bürgerwehr bemühte. Seine ganze Ver- 
gangenheit wurde nun durchsucht. Man beschuldigte ihn, aus ehren- 
rührigen Gründen seinen Abschied als Offizier erhalten zu haben; 
wies in großen Plakaten nach, daß er 1841 eine Schrift über 
„Preußens Heldenthaten“ dem Prinzen v. Preußen gewidmet habe 
und damals vom Lob dieses Fürsten und des Königs übergeflossen sei; 
ja man verdächtigte ihn sogar des Diebstahls. 
Solche Angriffe machten nur auf die Bürgerkreise, welche 
Held ohnehin verabscheuten, Eindruck. In den Kreisen der Arbeiter 
und kleinen Leute förderten sie aber seine Volksthümlichkeit derartig, 
daß verschiedene Bezirke im Juli den Agitator ernstlich zum 
Führer der Bürgerwehr vorschlugen. Dieser Umstand brachte die 
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