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VI. Der "Demagoge" Held.

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

Der „Demagoge“ Held. 
Ciner der größten Schreier und auffälligsten Figuren des tollen 
Jahres, die in vieler Beziehung typisch ist, war der Redakteur der 
„Lokomotive“, Friedrich Wilhelm Alexander Held.*) Er war nach 
seiner eigenen Angabe in diesem Blatte 1848 erst 35 Jahre alt; 
war im Militär-Waisenhaus zu Pot8dam erzogen und mit dem 
18. Jahr Lieutenant geworden. Nach sechsjähriger Dienstzeit nahm 
er seinen Abschied, da seine Stellung „mit seinen Ansichten von Frei- 
heit, Kirche und Staat so wenig harmonirte, daß sie ihm unerträg- 
lich wurde“. Er widmete sich dann 4 Jahre lang dem Schauspielerberuf. 
Auch hier scheint er die Erfüllung seiner Wünsche nicht gefunden zu 
haben, und wurde schließlich Journalist, erst liberaler, dann radikaler 
und demofratischer Richtung. 1843 gründete er eine „Monatsschrift 
für den deutschen Michel, Lokomotive“, welche er einige Monate lang 
im Selbstverlag zu Halle erscheinen ließ. 1844 erschienen von ihm 
zwei Schriften „Censuriana, oder Geheimnisse der Censur“ und das 
1. Heft eines Werks: „Deutschland, wie e8 fortschreitet und einig 
ißt“. Seft 1, die Vereine; eine Nachahmung Glasbrenners. 
1845 rief er eine Zeitschrift, „Der Volksvertreter“ in8 Leben, die 
mit Zeichnungen von Hosemann und anderen ausgestattet, ihr Da- 
sein bis 1846 fristete. Inzwischen wurde Held wegen Preßvergehens 
mehrfach verfolgt und schließlich zu einem Jahr Festung verurtheilt. 
Nach seiner Freilassung, Mitte 1847, nahm er die frühere Wirksam- 
keit mit ungeschmälerter Kraft auf. Nachdem er sich als Volks- 
redner und eifriger Klubmann bemerklich gemacht, schuf er am 
1. April 1848 eine neue „Lokomotive“, diesmal ein täglich er- 
scheinendes8 Blatt.**) 
*) Held nannte sich selbst Volksführer: Demagoge. 
**) Am selben Tage erschien die erste Nummer der „National-Zeitung“. 
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