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V. Die humoristischen Plakate

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

7 wie 
Der Sturz des Ministeriums Auer8wald, das Zustandekommen 
des Ministeriums Pfuel, das Wirken des Ministeriums Camphausen, 
die Einführung und das Wirken der Konstabler, das schneidige 
Vorgehen des Generals Wrangel, die Mißhandlung demokratischer 
Agitatoren in Charlottenburg und Pot8dam, Das Wachsen der 
Reaktion, sowie andere Ereignisse jener Tage haben Cohnfeld Stoff 
zu - theilweise sehr drastischen Arbeiten geboten. Mit besonderer 
Vorliebe und gemüthlichem Spott hat er endlich die Bürgerwehr 
und was mit ihr zusammenhängt, behandelt. Seine Kritik des 
Verhaltens dieser Truppe kleidete er meistens nach dem Muster der 
damals viel gelesenen Kaudelschen Curtain-Lectures aus dem „Punch“ 
in „Gardinen-Predigten ihrem Gatten Ludewig beim Schlafengehen 
gehalten von Madame Bullrichen.“ 
Auch die Plakate: 
„Bürjerwehr, Du bist bejlückt! 
Dein Jesetz is ausjeflickt! 
Hat nen neuen Schwanz un- Kragen! 
Will nich Ener Bravo sagen?“ = 
„Der jroße Trijumph, welchen das neue Bürjerwehrjeseß . . . 
in Berlin jefeiert hat“; =- „Die Versöhnung am Jrabe!“ 
„Achtung! Präsentirt's Jewehr 
Vor die brave Bürjerwehr!“ 
gehören hierher. 
Wie wenig Cohnfeld blindlings alles gut geheißen hat, 
was Seitens der Berliner Demokraten damals gethan wurde, geht 
aus seinen Flugblättern deutlich genug hervor. Wie er wiedcrholt 
gegen Held offen Partei ergriffen hat, so rückte er auch den radikalen 
Führern mehrfach 3. B. in dem Plakate: „Ihr sollt Euch nich 
bußkoppen!“ recht lebhaft zu Leibe. „Sagt mal, Demokraten, pickt et 
bei Euch? Habt Ihr nen Sonnenstich wechjekriegt? Es kann jar 
nich anders sind, =- et muß bei Euch rappeln, denn sonst wüßt i> 
mir Euer jrunddämlichet Benehmen nich zu erklären! Schaafsköppe, 
siken sie Euch denn noch nich jenug uf die Pelle, daß Ihr fie Euch 
o< noch durch dumme Exccsser uf'n Hals hezen müßt? . . . 'I> 
bejreife man nich, wie Ihr so verbohrt un vernagelt sind könnt, 
daß Ihr jloben duht, pollitsche Ideen laaßen sich mit viehsische 
Jewalt fortpflanzen oder ufproppen. Vor die massenhafte Demon- 
strationen is die Zeit vorbei; mit den faulen Schwindel habt Ihr 
sc<onst bei die jrößte Hiße innen März nischt mehr ausjericht, un 
nu wollt Ihr ihm innen Aujust bei kühl Wetter anwenden? . . . 
IS dazu de Presse freijejeben, deß Ihr Eure Wünsche mit Eisen 
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