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III. Berliner politische und satirische Zeitschriften

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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aufwarf. Andere waren aber sehr eifrig gegen den Vorschlag, 
insbesondere die Militär-Behörden. 
Infolge ihres Widerspruchs vornehmlich wurde der Gedanke 
schließlich fallen gelassen, und das feierliche, öffentliche Leichen- 
begängniß auf die Barrikadenkämpfer beschränkt. 
Die gefallenen Soldaten wurden am 24. feierlich beerdigt. (Es 
erregte damals großes Staunen, daß nur 3 Offiziere und 17 Unter- 
offiziere und Gemeine bei den Straßenkämpfen getödtet worden 
waren, während 254 Offiziere und Soldaten Wunden davon getragen 
hatten.“ Lange wurde behauptet, die Regierung verkleinere die Zahl 
der Todten, um den Ruhm der Märzhelden zu schmälern. 
Die „Spenersche Zeitung“ schrieb: „Den Verlust des Militärs 
schäßt man auf das Doppelte, denn man muß nicht glauben, daß 
preußisches Militär sich so leichten Kaufs besiegen lasse, es wäre 
auch sicher unbesiegt geblieben, wenn es sich gegen das Ausland 
geschlagen hätte.“ 
Die Leichen der Märzhelden wurden in der Nacht vom DienSstag, 
dem 21. zum 22. März, nach der Neuen Kirche auf dem Gensdarmen- 
Markt gebracht, wo auf der Freitreppe ein großer Trauerkatafalk 
errichtet wurde. 183 Särge wurden auf ihm in Reihen geordnet, 
darunter 5 mit Frauen-, 2 mit Kinderleichen; 33 der Todten waren 
von Niemand erkannt worden. Das ergreifende Bild, welches der 
Gens8darmenmarkt am Morgen des 22. März bot, hat kein Ge- 
ringerer als Adolf Menzel künstlerisch festzuhalten versucht. 
„Der Gen8darmenmarkt bot,“ wie die „Vossische Zeitung“, die 
ebenso wie die „Spenersche“ mit Trauerrand erschienen war, berichtet, 
„ein Gemälde dar, dessen Eindruck keine Feder schildert. Die 
schwarzen, wogenden Menschenmassen, die sich hier beisammen fanden, 
wurden unterbrochen durch zahllose Fahnen der Gewerke und der 
deutschen dreifarbigen Banner, die in dem Strahl der hellen Sonne 
flatterten. Die Häuser ringsum waren mit Menschen erfüllt, ja die 
Dächer selbst damit besekt, namentlich das des Schauspielhauses und 
des französischen Thurms. Auf den breiten Fronttreppen beider 
Kirchen wimmelten die Menschenmassen. Dennoch eine Ordnung, 
eine Ruhe, ja fast eine tiefe Stille, die einen heiligenden Eindruck 
machten. Man vernahm kein lautes Wort, auf jedem Antlit prägte 
sich der schwere Ernst des Tages aus.“ 
Der protestantische Prediger Sydow, ein katholischer Geistlicher 
und ein Rabbiner sprachen vor der Neuen Kirche, - dann sette sich 
Nachmittags 2 Uhr der Leichenzug am Schlosse vorbei nach dem 
Friedrich8hain in Bewegung. Ein Musik<or und die Schüken
	        
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