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III. Berliner politische und satirische Zeitschriften

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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„I< hoffe auch, daß ihre Gegner viel zu gute Unterthanen 
sind, um nicht nach dem, was vom 18. bis 22. März hier gesc<ehen 
ist, vor den Särgen dieser Männer ehrerbietig den Hut abzuziehn. 
Die Sympathien der Berliner Bevölkerung waren laut oder schüch- 
tern mit ihnen, auch während des Kampfes. Dieser Kampf glich 
einem Blik, welcher durch die schwarzen Wolken hindurch zuckte, die 
im März über uns lagerten, = ein Blik, der noch in dem Augen- 
blik niederschlug, als diese Wolken sich hoben, um uns den Himmel 
der Freiheit offen zu lassen. =“ 
(Es entsprach dieser Stimmung, wenn schon vom 19. März ab 
auf den Straßen öffentlich für die Familien der Gefallenen ge- 
sammelt und wenn am 20. März durch Königlichen Erlaß alle 
Pfänder, die in den Königlichen Leihhäusern für weniger als 5 Thaler 
verseßt waren, unentgeltlich freigegeben, sowie Amnestie für alle 
politischen und Preß-Vergehen ertheilt wurde. Am selben Tage 
machten Magistrat und Stadtverordnete bekannt, daß die „gefallenen 
Brüder“ feierlich auf Kosten der Stadt bestattet und ihre Familien 
sowie die Verwundeten ebenfals von der Stadt versorgt werden 
sollten. 
In allen Gasthäusern, Vereinen und Zeitungen wurden nun 
Sammlungen für die Familien der Märzkämpfer veranstaltet. Ein 
Advokat Volkmar überwies seine Einnahme bi8 zum 1. Mai diesem 
milden Werke. Die Theater, an der Spike das Königliche Opern- 
und Schauspielhaus, veranstalteten Vorstellungen zu Gunsten der 
Verwundeten und Hinterbliebenen. Alle Stände betheiligten sich 
bei diesen Spenden. 
Die „Vossische Zeitung“ veröffentlichte ein „Extrablatt der 
Freude“, und mit ihr wetteiferten die anderen Tagesblätter in Ver- 
herrlichung der Märzhelden. Leute, wie R. Schramm, verlangten 
Beerdigung der Gefallenen auf dem Platz vor dem Palais des 
Prinzen Wilhelm, wo jekt die Statue des alten Fritz steht, und 
Nationalbelohnung für die Hinterbliebenen und die arbeitsunfähig 
gewordenen, verwundeten Kämpfer. 
Von verschiedenen Seiten wurde gleichzeitige und gemeinsame 
Beerdigung der Märzhelden mit den damals gefallenen Soldaten 
verlangt, ein Gedanke, den auch der Magistrat und das Beerdigungs- 
Komitee vertraten, in dem Professor Dove, Kommerzienrath Ermeler, 
Justiz-Kommissar Lewald 2c. saßen. 
Besonders lebhaft verfocht den Vorschlag der Thierarzt Urban, 
der auf dem Alexanderplaß am Barrikadenkampf ernsten Antheil 
genommen hatte und in jenen Tagen sich überall als Wortführer
	        
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