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III. Berliner politische und satirische Zeitschriften

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

* DJ Mm 
und das Schauspielhaus zu ihren Sikungen wählen. Armes Schau- 
spielhaus! Soviel stümperhafte Komödianten hast du niemals be- 
herbergt.“ 
Die „Feuerbrände“ beschäftigten sich hauptsächlich mit Klagen 
und Beschwerden aus Beamtenkreisen. (Es werden darin 3. B. die 
Conduitenlisten und die Oberrehnungskammer hart angegriffen und 
dem Volksministerium wird vorgeworfen, daß es sim über die 
höheren Beamten nicht bei den Subalternen erkundigt und nicht die 
Leute mit der schwärzesten Conduite gewählt habe. Leßtere seien fast 
immer die talentvollsten, und die Untergebenen wüßten fast immer 
über ihre Chefs besser Bescheid, als umgekehrt. Es wird auch 
darüber Klage erhoben, daß hochbezahlte Beamte die Justitiarämter 
des Generalpostamts mit bedeutenden Bezügen nebenamtlich be- 
fleideten und dergl. mehr. 
Au8 dem „Teufel in Berlin“ sei erwähnt: Was ist für ein 
Unterschied zwischen einer Brücke und einem Bürgerwehrmann: 
„Wenn die Brücken vernagelt sind, kann man sie nicht auf- 
zieh'n; ist aber die Bürgerwehr vernagelt, so kann man sie auf- 
zieh'n.“ 
„Heut' Abend 7 Uhr: 
Volks8-Versammlung in den Zelten. 
Tagesordnung: 
Aufwiegeln. Zum Schluß: Keilerei. 
Jür gute Knoblauchwürste, Salzkuchen und Kümmel ist bestens 
gesorgt. 
Max Schasler, 
früher Präsident, jekt Buddiker.“ 
Die „Zeltengedanken“ beschäftigen sich mit dem Ehrendegen, 
der dem Bürgerwehrgeneral Aschoff überreicht wurde; der Ver- 
urtheilung des Thierarztes Urban und seiner Genossen; der Adels- 
abschaffung; der Unzufriedenheit über den Magistrat 2c. 
Bezeichnend für die damalige Stimmung ist folgende Notiz: 
„Was die Zeltengedanken thun würden, wenn sie zaubern 
könnten. 
Sie riefen einen Mann hervor, wie Friedrich der Große, 
wie Friedrich der Einzige war, der gegen ganz Europa sieben Jahre 
Krieg führte, seinen verwüsteten Provinzen aufhalf und einen ge- 
füllten Schaß hinterließ. Diesen Mann würden die Zeltengedanken 
dann zum Präsidenten eines sehr großen Landes machen.“ 
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