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II. Außerhalb Preußens erschienene politisch-satyrische Zeitschriften

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

sichlafend da, den Arm auf die Märzproklamationen gestüßt. 
Während dessen haut ihm ein Pole die Spitze seiner Fahne ab, 
ein Italiener reißt ein Stück Fahnentuch an sich, ein englischer 
Hund schleppt seine Börse fort, ein Pfaff reißt die Religionsfreiheit- 
Urkunde von seinem Lager, Beamte suchen die Gesetze über Preßfreiheit 
und Bereinsrecht lo8 zu machen; ein preußischer Soldat entführt 
sein Schwert ! 
Der Leuchtthurm, der Vorgänger der Gartenlaube, welche 
später Ernst Keil zu größter Volksthümlichkeit und ungewöhnlichem 
Reichthum verholfen hat, ist zuerst 1846 in Leipzig erschienen. Das 
Blatt brachte neben Erzählungen und Reisebildern zusammenfassende 
Schilderungen der politischen und Tagesereignisse aus verschiedenen 
Theilen Deutschlands und des Auslands8 daneben politische Gedichte 
und einzelne Nachrichten. Wie bei der Auswahl dieser Aufsäte be- 
weist der Herausgeber auch in den Bilderbeigaben einen aus8geprägt 
demokratischen und oppositionellen Geist. Die in Lithographie aus- 
geführten Portäts stellen nur Lieblinge der demokratischen und 
revolutionären Kreise dar. Neben ihnen brachte der Leuchtthurm 
eine Reihe mehr bissiger als wißiger Zeitbilder und Karrika- 
turen. Auf den ersten des Jahrgangs 1848 sind Bauern abge- 
bildet, die zur Auswanderung gerüstet sind. Der Amtmann sucht 
ihnen ihren Entschluß auszureden. In Amerika flögen ihnen ge- 
bratene Tauben auch nicht ins Maul. Die Bauern entgegnen 
darauf: „Aber wenn eene geflogen kümmt, dann ess'n wir sie auch 
selber !“ -=- Das nächste Bild zeigt einen Jesuitenpater, der mit 
einer Gießkanne sprengt. Unter dem Wasserstrahl sprießt ein Feld 
schwarzer Gestalten, meist mit Pastorenkragen und Talaren in die 
Höhe. Einige der Schwarzen sind in Zeitungsblätter gehüllt: 
„Hengstenberg'sche Kirchenzeitung“, „Historisch - politische Blätter“, 
„Volksblatt“, „Adel8-Zeitung“. Unter der Zeichnung liest man die 
Verse: 
„Wir haben gesäet in dürrer Zeit, 
Wir haben gepflegt mit Emsigkeit, 
Und droht unsrer Saat auch Verderben heut 
Wir werden doch ernten in guter Zeit.“ 
Ein anderes Beiblatt zeigt einen Bauern, den der dicke Amt- 
mann anschnauzt: „Warum sekt er sich, er Flegel? Glaubt er, er ist 
in seiner Scheune?“ -- Der Bauer erwidert lächelnd: „Ne, Herr Amt- 
mann, weil ich von dem weiten Weg auf's Amt sehr müde bin. 
Wär' ich ä Flegel und in meiner Scheur, da würd' ich jekt lo8- 
dreschen!“ 
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