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Die "Gelehrten" des Kladderadatsch im Verkehr unter einander und im Leben

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

zimmer der: Wohnung stets überfüllt waren. Aber die dadurch 
entstehenden Bedrängnisse trugen nur zu Erhöhung der Heiterkeit 
bei. Hier war e8 auch wieder Scholz, der von manchen ent- 
stehenden kleinen Verlegenheiten für seinen Humor den besten Nuten 
zu ziehen wußte. 
Die Freundschaft zwischen Scholz und Trojan und ihre ge- 
meinsame Bekanntschaft mit Hieronymus Truhn hatte in den sieb- 
ziger Jahren zur Bildung eines Verein8 geführt, der wohl zu den 
originellsten gehörte, die jemals bestanden haben; e8 war dies der 
Truhn-Verein, oder korrekter gesagt die „Gesellschaft Truhn“. 
Dieser von Trojan gegründete Verein hatte ausschließlich den 
Zwe, den in seiner materiellen Existenz immer mehr herunter- 
gefommenen Truhn durch Zahlung regelmäßiger Beiträge, monat- 
licher und vierteljährliher, zu unterstüßen. Truhn hatte in seiner 
guten Zeit viele wahrhaft schöne Lieder geschrieben; aber das Glück 
war ihm nicht hold gewesen und seine Unfähigkeit, zu einer festen 
und geregelten Thätigkeit sich aufzuraffen, hatte ihn immer mehr 
zurückgebracht. Trojan, als geborener Danziger, hatte sich des aus 
der westpreußischen Schwesterstadt Elbing stammenden Musikers mit 
wahrhaft rührender Nächstenliebe angenommen und er fand darin 
an Scholz den bereitwilligsten Helfer. Dieser Truhn-Verein wirkte 
nur im Stillen; es gehörten ihm etwa dreißig Mitglieder an. Aus 
den Liebesgaben derselben wurde Truhn bis zu seinem Tode that- 
sächlich erhalten. Er selber nahm die ihm gewordene Unterstüßung 
nicht nur als etwas ihm Gebührendes entgegen, sondern die Komik 
dabei war, daß er auch gesteigerte Ansprüche machte, die seinen 
Gönnern oft Schwierigkeiten bereiteten. Denn Truhn wollte nicht 
dürftig erhalten werden, sondern er konnte in der ihm geschaffenen 
Existenz, in der er dur<aus nichts Peinliches empfand, von seinen 
verschiedenen Neigungen zu gutem Leben nicht ablassen. Trojan, 
dem jener schöne gütige Humor verliehen war, der aus der Tiefe 
eines reichen Gemütes entspringt, kannte alle Schwächen seines 
Schüßlings, aber er vermochte e8 nicht, ihn aufzugeben. Mit 
humorvoller Resignation unterzog er sich niht nur den Mühen der 
Verwaltung, sondern leistete auch unter den Vereins8genossen den 
höchsten Beitrag und zahlte auch noh, wenn er mit Truhn in einer 
Restauration zusammen traf, für diesen mit. 
Alljährlich legte er den Vereinsmitgliedern einen gedruckten 
Rechenschaft8bericht über die Einnahmen und Aus8gaben vor. Auch 
diese Rechenschaftsberichte, die von Trojan als „Gründer“ und von 
Scholz als „Aufsichtsrath“ unterzeichnet waren, könnten in einer 
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