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Die "Gelehrten" des Kladderadatsch im Verkehr unter einander und im Leben

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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während dieser Produktion sehr gefüllt und der lange Scholz stand 
-- über Alle hinausragend -- ganz im Hintergrunde. Da es nun 
bei der bloß mimischen Kunstleistung Wallners einzig auf das Sehen 
anfam, Sc<holz aber viel zu entfernt stand, um Wallner8 Mienenspiel 
zu erkennen, so wurde ihm die Sache langweilig und plötzlich rief er 
nur das eine Wort: „lauter!“ Die Wirkung dieses Wortes war 
natürlic) bei der bis dahin herrschenden Stille eine so komische, daß 
Wallners mimisc<e Leistung damit zu Ende war. 
So wurde auch an Abenden, an denen er selbst nichts produ- 
zirte, schon seine Gegenwart dadurc< schägenswerth, daß er in der 
Unterhaltung durch seine improvisirenden Einfälle die Gesellschaft be- 
lebte. An einem der Künstlerabende in den „Reichshallen“ war 
Scholz in dem herrschenden starken Gedränge mit einem sowohl wegen 
seiner großen Künstlers<aft wie seiner sehr kleinen Figur allgemein 
befannten Maler zusammengetroffen. Der kleine aber denno< „große“ 
Künstler sah bei der Begegnung mit Sc<holz zu diesem hinauf, indem 
er bemerkte: Es ist heute hier unerträglich heiß. „Finden Sie?“ be- 
merkte Scholz mit S<munzeln, indem er von der Höhe seiner 
Statur. auf Jenen hinabsah, -- „hier oben finde ich es ganz 
angenehm“. = 
So ein Wort von Solz, wie das „hier oben“ ging dann 
durch die Kreise der Künstler und Kunstfreunde vom Einen zum Andern. 
Scholz sagte gestern zu M. oder X. . das und das, = und immer war 
es was apartes, das keine8weg38 irgend einem Andern eingefallen 
wäre. Oft aber verlor auch ein Scholz's<er Wiß auf den Wanderungen 
die er machte, zuleßt die Urheber-Firma, und so kam es zuweilen vor, 
daß Jemand bei einer Begegnung mit Scholz demselben als Neuigkeit 
einen sehr guten Wiß erzählte, dessen Verfasser Scholz selber war. 
Zu solchen Wißen, die nicht als augenblickliche Improvisationen ent- 
standen, sondern von ihm sorgfältig ausgearbeitet waren, gehörte die 
Beantwortung der Frage: Was ist der Unterschied zwischen einem 
Weitsichtigen und einem Kurzsichtigen? Scholzens Antwort darauf 
lautete: Der Weitsichtige sieht „bei =- nahe nicht8“, und der Kurzsichtige 
sieht „bei weitem weniger“. 
Was5 die Künstlerfeste betrifft, so darf bei ihrer Erwähnung auch 
eines dabei mitwirkenden Mannes nicht vergessen werden, der durch 
seine wißigen litterarischen Erzeugnisse wiederholt zu großer Erheiterung 
beitrug. Es war dies der Maler und Zeichner (der „Berliner Wespen“) 
Gustav Heil. Eine seiner meisterhaftesten humoristischen Schöpfungen 
war die bei einem Herren-Künstlerfest aufgeführte Parodie auf „Othello,“ 
in der Scholz als Des8demona erschien und an Stelle des Liedes von
	        
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