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Die "Gelehrten" des Kladderadatsch im Verkehr unter einander und im Leben

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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bekannt, aber auc< von ihm konnte man ebenso wenig wie von den 
Andern sagen, daß er schon einen „Namen“ hatte. So war denn 
auch in der ersten Zeit die Autorschaft des „Kladderadatsch“ eine 
namenlose. Daß die „Verantwortlichkeit“ zunächst vom Verleger 
Hofmann übernommen wurde, war also in mehr als einer Hinsicht 
begründet. Selbst als im zweiten Jahre Dohm's Namen als 
Redakteur auf dem Blatte stand, hatten die einzelnen Persönlichkeiten 
für den größeren Leserkreis no< keine eigentlihe Bedeutung. Das 
konnte aber dem „Wißblatt“ nur förderlich sein, und auch in späteren 
Jahren war es doc< immer nur das „Blatt“ gewesen, das zum 
Publikum spra<ß, ni<t aber der einzelne Mitarbeiter, der hinter den 
Coulissen blieb. 
So hatte auc< der gesellige Verkehr der „Gelehrten des 
Kladderadatsch“ erst im Laufe der Jahre festere Formen angenommen 
und sic< in bestimmteren Grenzen bewegt. Sowie in der Art ihres 
Talentes waren die vier genannten Redakteure auch in ihrer äußeren 
Erscheinung auffällig von einander verschieden. Kalisc<, der von 
sehr kleiner Figur war, konnte in seinem übrigens hübsch gebildeten 
Gesihte am wenigsten die Stammes - Eigenart verleugnen. Eben 
deöhalb hielt er sic aber au< persönlich mit einer gewissen Genirtheit 
zurück, und nur im vertrautesten Kreise der Kollegen ging er mehr 
aus sich heraus und zeigte in seinen heiteren Bemerkungen über 
Bersonen und Verhältnisse feine Beobachtung und eine Mensc<hen- 
kenntniß, in der auch sein eigener spekulativer Charakter zum Ausdruk 
kam, meist aber in einer drolligen Selbstironie. Scholz, der ihn mit 
seiner ho<hgewac<hsenen und damals noch schlanken Figur um mehr 
als Haupteslänge überragte, benußte oft seine körperliche Ueberlegen- 
heit dem kleinen David gegenüber zu humoristischen Einfällen und 
harmlosen Nedkereien, immer mehr wißig als verlegend, wie es in 
seiner lieben5würdigen Natur lag. 
Ernst Dohm war für gewöhnlich wohl auch etwas zurück- 
haltend, nicht aber aus Aengstlichkeit, wie sein Vetter Kalisch, sondern 
weil er in seiner Persönlichkeit einen anmuthenden vornehmen Zug 
hatte, der auch seine höhere Bildung verrieth. Solchen Leuten gegen- 
über, denen er fremd war, hatte er in seinem Wesen eine Art von 
Ehrbarkeit, die auc; nicht im entferntesten vermuten lassen konnte, wie 
viele Teufeleien mannigfacher Art in diesem ganz merkwürdig gearteten 
Menschen steten, um ihn seiner ursprünglich fürs Ernste und Ge- 
diegene angelegten Natur abspenstig zu machen. 
Auch Dohm's Figur war unter der Mittelgröße, erst später 
etwas gedrungen. Sowie seine geistigen Anlagen und seine reiche 
28.
	        
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