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Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

zeugung allzeit und ohne überflüssige Rücksicht nach oben wie nach 
unten in Wort und Schrift Ausdruk zu geben, sieht man ihn gar 
oft als wackeren Kämpen auf der „Barrikade“ stehen, streitend für 
freies Wort, für Recht und Wahrheit. 
Wer Trojan persönlich kennen lernt, oder ihn aus seinen un- 
politischen Schriften zu beurtheilen hätte, wird freilich nichts von 
einer Kämpfernatur in ihm entde>en. Und mit Recht, denn der 
Grundzug seines Charakters ist in der That der friedlichste von 
der Welt, und treffend nennt Julius Stinde ihn den „Dichter des 
frohen Gemüths“. Durchliest man seine satirischen, seine unpolitischen 
Scherzgedichte, seine reizenden Plaudereien, so erstaunt man Über 
die Vielseitigkeit seiner Begabung und seines Könnens. Wie schon 
gesagt, Trojan ist ein ungemein scharfer Beobachter, und weil er 
alle Eindrücke gleich verarbeitet, ist er oft auf seinen Gängen und 
Reisen im wahrsten Sinne des Wortes „in Gedanken“, und Ddes- 
halb zuweilen vergeßlich. 
In dem folgenden allerliebsten Gedichte geißelt er selbst eine 
seiner kleinen Schwächen: 
Mein Regenschirm. 
Einst in ein Wirths8haus kehrt' ich ein -- 
's war nicht von erstem Range -- 
Doch weil vortrefflich war der Wein, 
So trank ich viel und lange. 
Da ließ ich beim Nachhausegehn 
Den Regenschirm im Winkel stehn. 
Ich kam zurü> am Tag darauf, 
Um mir den Schirm zu holen; 
Den Wein auch sucht' ich. wieder auf, 
Der sich so gut empfohlen. 
Aufs Neu blieb beim Nachhausegehn 
Mein Regenschirm im Winkel stehn. 
Noc< manchen Tag so ging es mir, 
Wenn ich hinkam und zechte. 
Der Wirth war aller Wirthe Zier, 
Der Wein genau der rechte; 
Und wenn ich ging, blieb an der Wand 
Mein Regenschirm da, wo er stand. 
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