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Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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Johannes Trojan. 
„3< bin am 14. August 1837 in Danzig geboren als Zwilling, 
eine Stunde nach meinem Schwesterchen. 
' Biel Lebens8zeichen gab ich nicht von mir. Die Wehmutter 
sagte: „Es braucht nicht ein zweites Bettchen angeschafft zu werden, 
das junge Herrchen wird seine Aughen bald wieder zumachen.“ Es 
machte sie aber nicht wieder zu, außer zum Schlafen, sondern be- 
hielt sie sonst hübsch offen. 
Wir Zwillinge wurden Johannes und Johanna getauft, und 
erhielten keine anderen Namen.“-- 
So beginnt Johannes Trojan die Schilderung seines Leben3- 
laufes, die er seinem Freunde Julius Stinde übergab. Dieser ver- 
öffentlichte diese Selbstbiographie s. Z. in Schorer8 Familienblatt, 
und ihr entnehmen wir in Folgendem die Hauptdaten aus Trojans 
Leben. 
Die Befürchtungen für das Leben des zarten Kindes gingen 
zum Glück nicht in Erfüllung, er wuchs heran und gedieh und über- 
wand auch noch ein Brustleiden, welches ihn als Siebzehnjährigen 
überfiel. 
Ostern 1856, nach bestandenem Abiturienten - Examen, ging 
Trojan auf die Universität Göttingen, um dort Medizin zu studiren. 
Nach 5 Semestern .aber sattelte er um und wandte sich dem Studium 
der deutschen Philologie zu. 
„Ih hatte immer den geheimen Gedanken gehabt, Schriftsteller 
von Beruf zu werden. I< weiß nicht, wie ich auf diese verrückte Idee 
gefommen bin, aber es war einmal so. Auch als Student schrift- 
stellerte ich schon hier und da. Ich schrieb sogar „Bändchen“ zu- 
sammen, die nach allen Richtungen hin fortgingen, aber immer 
wieder zu mir zurückkehrten.“ 
Nach dem Tode des Baters machte er diesen geheimen Ge- 
danfen zur That, und widmete sich ganz der Schriftstellerei. 
„I< that also den furchtbaren Schritt,“ erzählt er weiter, 
„und mußte die Folgen tragen, die hart genug waren. Auch fand 
ich es natürlich in der Schriftstellerwelt ganz und gar nicht so, wie 
ich es erwartet und geträumt hatte, sondern es war stellenweise 
recht häßlich. Eine Enttäuschung folgte dex andern, und meine 
Lage war manchmal ziemlich bedenklih. Dazu gerieth ich in eine 
Gesellschaft auf- oder auch schon wieder abstrebender Litteraten 
Iß4
	        
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