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Der Kladderadatsch. 1848-1898

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

Auch von den alten Gelehrten des Kladderadatsc< wurde der 
sc<on seit längeren Jahren von schwerem Siechthum ergriffene Dritte, 
Rudolf Löwenstein, durch den unerbittlichen Tod abgerufen, der 
am 5, Januar 1891 erfolgte. Ein vorzügliches Portrait des alten 
Freiheitskämpfers bringt Kladderadatsch seinen Lesern zur bleibenden 
Erinnerung und widmet dabei seinem Gedächtniß folgenden tief- 
empfundenen Nachruf. 
Alt, müd' und krank schloß er die Augen zu 
Und ist zur ew'gen Ruhe eingegangen, 
Er, dem so gern wir einstmals hörten zu 
Und dessen Lieder einst so fröhlich klangen. 
So fröhlich und so kräftig auch zugleich, 
Als noch die neue Zeit nicht war geboren, 
In jenen Tagen, als das deutsche Reich 
Ein Traum noch schien der Jugend und der Thoren. 
Der Freiheit Kämpe stand er auf der Wacht ' 
Mit keckem Wort, mit scharfen Liedes Wehre; 
Und als geworben ward um Ruhm und Macht, “ ) 
Sang fröhlich er zu deutschen Landes Ehre. 4“ & 
Nun ging dahin er; zu den andern Zwein, 
Die vor ihm sanken, lenkte er die Schritte. 
Das Grab, in das wir senkten ihn hinein, 
In unsrer Gräber Reihe ist's das dritte. 
Dem, der dort ruht, blieb, ach, kein Leid erspart, 
Doh ließ die Muse Schönes ihm gelingen, 
Daß ihm ein gut Gedächtniß wird bewahrt 
Und daß die Kinder seine Lieder singen. 
Ein Kranz aufs Grab ihm, der vem Mann gebührt, 
Des Name nicht wird des Vergessens Beute, 
Der wacker sich im Kampfe hat gerührt =- 
Und frischen Muths dann auf zu neuem Streite! 
Wilhelm Scholz, der vierte und lezte der alten Gelehrten, über- 
lebte Rudolf Löwenstein nicht lange. In den letzten Jahren seines 
schaffensfreudigen Lebens finden wir wenige Bilder mehr von seiner 
Hand im Kladderadatsch. Er hatte jüngeren Kräften, denen er 
leuchtendes Vorbild geworden war, Platz gemacht, und nur selten 
noc< überraschte uns sein genialer, unverkennbarer Stift, den ihm 
am 20. Juni 1893 der Tod für immer aus der lange Jahre so 
unermüdlich schaffenden Hand wand. Kladderadatsch. ruft dem letzten 
seiner alten Getreuen beim Scheiden nach: 
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