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Der Kladderadatsch. 1848-1898

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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Doch ob Du auch geflüchtet vor der Hauptstadt Lärm 
Dich in die Stille Deiner Wälder, nimmermehr 
Magst Du entfliehn der Liebe und der Dankbarkeit. 
In alter Treue denken Dein Unzählige, 
Und heut erbraust durch's ganze Reich der laute Ruf: 
Heil Dir, o Fürst! Beschieden sei Dir's lange noch 
Mit rüst'gem Schritt im Sachsenwald Dich zu ergehn. 
Und oftmals magst Du feiern noch den frohen Tag, 
Der uns den besten Deutschen hat dereinst geschenkt. * 
An Stelle des Fürsten BiSmar> war 1890 als Reichskanzler 
General von Caprivi getreten, dessen neuer Cours unserem Wikblatte 
sehr viele Angriffspunkte bot und seiner Satire bis zu des Kanzlers 
Abtreten vom Welttheater =- Oktober 1894 =- andauernd an- 
heim fiel. 
Von politischen Neugestaltungen dieser Zeit ist die nach dem 
Tode des Königs von Holland erfolgte Trennung Luxemburgs vom 
Königreich der Niederlande zu registriren. Der Erhebung des Groß- 
herzog8 Adolf von Nassau auf den Thron von Luxemburg widmet 
Kladderadatsch in seiner Nummer 47 ein Leitgedicht. 
Nach dem Vertrage zwischen dem deutschen Reiche und England 
über Oslkafrika und Stellung Zanzibars unter englische Schußherrschaft 
erfüllte das deutsche Volk die dadurch erreichte Wiedererwerbung 
Helgolands von Seiten des Kaisers mit hoher Freude und Ge- 
nugthuung, welcher der Kladderadatsch in seinem Gedicht: „Helgoland 
wieder Deutsch!“ (Nr. 27 von 1890) sc<öne Worte lieh. 
Während der 75jährige hohe Jubilar in ländlicher Zurück- 
gezogenheit seines Sachsenwaldes als Cincinnatus lebte, feierte am 
26. Oktober 1890 sein großer Mitstreiter, Feldmarschall von Moltke, 
ven seltenen Ehren- und Jubeltag seines 90. Geburtstages. 
Dich ziert der Lorbeer, welchen Bewunderung 
Dem sieggewohnten Lenker der Schlachten reicht, 
Doch mehr erfreuen Dich die Kränze, 
Welche die Liebe des Volkes Dir darbringt. 
ruft ihm huldigend der Kladderadatsch zu. Die Liebe und Ber- 
ehrung des Volkes, welche aus allen deutschen Gauen bei dieser 
Jubelfeier sich kundgab, sollte der letzte, sonnigwarme Abschieds8gruß 
jein ams Lebensabend des gefeierten Schlachtenlenkers. Schon im 
nächsten Frühling, am 24. April, schloß der Tod die Lippen des 
großen Schweigers zum ewigen Schweigen. -- 
* Aus Nr. 14--15 vom 30. März 1890 „An den Fürsten Bismar> zum 
ersten April“ von Wilhelm Polstorff. 
55.
	        
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