Path:
Der Kladderadatsch. 1848-1898

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

217 
- Sein Vater, Deutschlands großer Kaiser, sollte ihm im Tode 
vorangehen, nachdem dessen gottbegnadetes Leben fast unser ganzes 
Jahrhundert umfaßt und demselben gewissermaßen den Stempel 
aufgedrückt hatte. Als er starb, da begann seine hehre Gestalt 
erst recht in seinem Volke zu leben. Alldeutschland trauerte um 
ihn; die ganze gebildete Welt empfand schmerzlich seinen Heim- 
gang. Fürsten und Könige sind hinter seinem Sarge gewandelt; 
alle Länder des Erdenrund8 haben ihm Blumen gestreut, er war 
das Haupt Europas, der König der Könige geworden. 
Mit dem feinen Takt, den Kladderadatsch schon beim Tode 
König Friedrich Wilhelm's IV. bewiesen, erschien seine Nummer 12 
vom 9. März 1888 mit Trauerrand ohne jeglichen JUustrations- 
s<hmud, nur mit einem tief empfundenen Nachruf: 
Auf Kaiser Wilhelms Tod. 
Todt ist der Kaiser, todt! Von Mund zu Munde 
Erschallt die Botschaft, und von Land zu Land, 
Und übers Meer hin pflanzt sich fort die Kunde 
Auf Blitzes Flügeln bis zum fernsten Strand. 
Wo sie erschallt auf weitem Erdenrunde, 
Da sinkt dem Mann das Werkzeug aus der Hand, 
Die Rede stockt, es löst sich rasch der Reigen, 
Und alles steht erstarrt in tiefem Schweigen. 
Wie drängte jüngst noch oft in seine Nähe 
An trübem Tag das Volk sich wie zum Licht! 
Daß einmal er am Fenster ihn erspähe, 
War jedes Wunsch, und Liebres gab es nicht. 
Die Mutter hob ihr Kind auf, daß es sähe 
De3 alten Kaisers freundliches Gesicht. 
Und wenn sonst nichts von ihm zu melden bliebe 
Dies wär' genug: ihm ward des Volkes Liebe. 
Des Volkes Herz, das hat er sich erstritten, 
Denn gütig war er, war gerecht und mild. 
Umsonst zu ihm kam keiner, um zu bitten, 
Und seine Macht war der Bedrängten Schild. 
Vom Alpenschnee bis an der Fischer Hütten 
Am Meeresstrand zu finden ist sein Bild, 
Des guten Kaisers Bild, das Bild des Helden, 
Von dem die Bücher der Geschichte melden. 
O Glanz, o Ruhm! Was ist dem zu vergleichen, 
Was Wilhelms Schwert errungen uns im Streit! 
In Feindesland aufpflanzt' er unsre Zeichen, 
Des Siege3 Zeichen, selber todbereit. 
DT
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.