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Der Kladderadatsch. 1848-1898

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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Wartet auf dich; sie läuft dir nicht fort, drum bleib -noch ein. Stündchen! 
Schlimmer, als jetzt sie schon ist, kann doch die Sache nicht werden.“ . 
Alle nun sprachen ihm zu, bis seinem verwirrten Gehime Dm 
Ganz plausibel der Vorschlag erschien. „Sie würde mir doch nicht 
Glauben,“ so rief er verstockt, „mun kommt es mir auch auf ein bischen 
Mehr nicht an! Wer giebt?“ Und er setzte sich wieder zum Spiele. . 
Doch so laut er auch lachte und sprach, stets nagte der Reue 
Wurm am Herzen ihm leis; ihn einzuschläfern, genoß er 
Mehr, als ihm gut, von dem schäumenden Saft der goldenen Gerste. 
Tief schon war's in der Nacht, als mit tastenden Schritten behutsam 
Schulte die Treppen erstieg; doch laut oft krachten die Stufen 
Unter dem bleiernen Fuß, von fern schon kündend der Gattin, 
Die beim Schimmer der Lampe noch saß, des Schuldigen Heimkehr. 
Schwer jetzt tappt' er herein, in der linken den mächtigen Humpen, 
Den er erbeutet als Preis, und grüßte die Theure mit blödem 
Lächeln: „Willkommen! Schon da? Wie geht es? Der schändliche Lehmann 
Nämlich die Uhr“ -- doch hemmte sogleich der Redefragmente 
Stockenden Strom mit strafendem Wort die entrüstete Gattin: 
„Das ist das Wiedersehn nach den schmerzlichen Wochen der Trennung! 
Völlig bekneipt kommst du heim und schleppst im Dunkeln der Nacht mir 
Humpen und Krüge ins Haus, als ob nicht genug von dem Zeug du 
Längst schon hättest! Doch ändert sich's jetzt! In den kommenden Jahren 
Bleibe dem Bade ich fern, du bedarfst der beständigen Aufsicht!“ 
Sprach es und schob den Verstummten hinein in die ehliche Kammer. 
Schwer nun büßte das schwere Vergehn der vortreffliche Schulte: 
Wenn ihn der Schlummer befiel bei den zürnenden Worten der Gattin, 
Trat sie im Traume sogleich ihm drohender fast noch entgegen, 
Das er erschre>t auffuhr; so zwischen dem schrecklichen Wachen 
Und dem entsetzlichen Traume verbracht' er die schleichenden Stunden. 
Als er mit schmerzendem Haupt sich erhob von den Kissen des Lagers, 
Sprach er zu sich: „Nie mehr, das schwör' ich, bleib ich zu lange 
Sißen beim Skat, und könnt' ich damit der herrlichsten Humpen 
Hundert gewinnen! Zu schlimm war die Nacht, nach längeren Jahren 
Werd' ich mit Schrecken an sie und lähmendem Schauder noch denken!“ 
England und Frankreich ging es wie Alexander dem Großen, 
dem sein Vaterland zu klein geworden; sie suchten sich bei ihrer 
Vorliebe für freie und gesunde Bewegung in außereuropäischem 
Klima die schönsten Gegenden der Welt aus und erhoben ein großes 
Geschrei darüber, als auch Rußland, diesem sanitären Zuge folgend, 
sich Merw zum angenehmen klimatischen Aufenthalt erwählt hatte. 
Der Weltfriede wurde übrigens dadurch nicht gestört und die 
europäische Konferenz zu Berlin führte zur Anerkennung des 
Kongostaates unter Leopold I1l., König der Belgier. „Bei der meist- 
seitigen Befriedigung darüber,“ meint Kladderadatsch, „wurde hier 
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