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Der Kladderadatsch. 1848-1898

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

Locende Preise gestiftet, und einige mußten doch sicher 
Fallen an ihn, den als Meister im Spiel ein jeder verehrte. 
Arg nun ward ihm der Abend gestört durch der stattlichen Gattin 
Heimkehr, die er so nah nicht geglaubt; doch fügt' ex mit Würde 
Sich in das schwere Geschi> und sagt zu dem dienenden Mädchen: 
„Eile, die Thür. zu umwinden mit freundlichem Grün, und vergiß auch 
Ja das „Willkommen!“ mir nicht, das roth auf dem goldenem Grunde 
Grüßt in jeglichem Jahr' die Herrin des Hauses, wenn heim sie 
Kehrt aus dem stärkenden Bad. Dann geh an den Bähnhof ich selber, 
Komme vom Klub dahin.“ Ex sprach's und wandte zum Gehn sich. 
Fröhlicher Jubel empfing der vereinten Genossen den Biedern, 
Als3 in den Saal ex trat, denn es schäzten als Stifter des Bundes 
Alle ihn hoch und dabei als trefflichen Menschen und Zecher. 
Aber er dämpfte den Lärm und that in beweglichen Worten 
Kund, was die- Lust ihm verdarb an dem fröhlichen Abend; von Mitleid 
Wurden die Freunde erfaßt, und drückte gar mancher die Hand ihm, 
Klopfte die Schulter ihm sanft und sprach die mahnenden Worte: 
„Aber nun gleich an den Tisch, damit du die flüchtigen Stunden 
Gründlich genießest, die dir so karg zumißt das Verhängniß!“ 
Und sie erhoben die Hände und mischten die wechselnden Karten. 
Bald war völlig vertieft in den Skat der treffliche Schulte; 
Jetzt gewann er ein schwächeres Spiel durch wagende Kühnheit, 
Dann erschlug er den Feind durch still abwartendes Mauern. 
Eifrig sucht' er dabei durch intensiveres Trinken 
Wett zu machen die Kürze der Zeit. Doch mit redlichem Sinne 
Legt' ex die Uhr auf den Tisch, die goldene, welche an schwerer 
Kette ihm hing, er kannte sie längst als gut und verläßlich ; 
Denn nicht wollt' er. versäumen -die Frist und der stattlichen Gattin 
Ursach geben zum Zorn. Ach, leider verlo>te zu schnöder 
Tücke den listigen Lehmann die Uhr! Als der redliche Schultze 
Stand in ver Pause des Spiels am Buffet, mit kundigem Auge 
Prüfend die prangende Schar der lecker bereiteten Speisen, 
Griff ex behende nach ihr und stellte zurück sie um gute 
Dreißig Minuten. Wohl sahn die Freunde des Schändlichen Unthat, 
Doch sie verriethen ihn nicht; zu freun sich über den Schaden 
Anderer, gilt für erlaubt ja auch bei ehrlichen Menschen. 
Arglos kehrte zurück an den Tisch der Betrogne, zur Eile 
Trieb er, zu nußen die Zeit. Stets blickt er mit spähendem Auge 
Auf die verläßliche Uhr, und endlich sprang er vom Stuhle: 
„Kinder, ich muß zur Bahn, lebt wohl!“ Da tönte unendlich 
Lachen und Lehmann sprach voll Ruhe die Worte: „Du bleibst wohl 
Besser bei uns, denn lange zu Haus ist sicher die Olle.“ 
Starr stand Schultze, als jeßo der Trug ihm des Freundes enthüllt ward; 
Jammernd erhob er den Ruf: „Sie wird es nicht glauben! Es muß gleich 
Lehmann gehen mit mir und bekennen die lautere Wahrheit.“ 
„Fällt mir nicht ein!“ entgegnete der. „Nun sei doch vernünftig! 
Schlecht ist der Scherz, doch es ist nun geschehn und die gründlichste Predigt 
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