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Der Kladderadatsch. 1848-1898

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

„It 
Du scheidest! =- Mit des Amtes hoher Würde 
Streifst von der müden Schulter Du die Bürde 
Der Arbeit und der Sorgen schwere Last. 
So geh', ist unerschütterlich Dein Wille; 
Fern den Geschäften, wie Beatus ille, 
Dich selber bannend in die traute Stille 
Ländlicher Muße, halte gute Rast. 
Was3 Du gewirkt -- ein heiliges Vermächtniß, 
Bewahrt's im unvergänglichen Gedächtniß 
Ein dankbar Volk im Herzen fort und fort. 
Im Frieden spätrer glücklicherer Zeiten 
Wird mancher Groll und all' das bittre Streiten, 
Darob des Tags Parteien sich entzweiten, 
Ausklingen in harmonischem Akkord. 
Zehn Monate dauerte die Muße, der sich Fürst BiSmar> in 
Varzin zur Erholung und Pflege seiner Gesundheit hingab. Nach 
seiner Rückkehr erwartete ihn eine große Aufgabe, deren meisterhafte 
Lösung ein Muster diplomatischer Kunst genannt werden kann. 
Englands Widerspruch gegen die Friedensbedingungen, die 
Rußland der Türkei auferlegt, hatte unter Deutschland8 Vermittlung 
zum Berliner Kongreß geführt, der unter Bis8mar>s Leitung, 
welcher dabei nach seiner trefflihen Bezeichnung „nicht das Amt 
eines Schiedsrichter8 übernommen hatte, sondern sich mit der Rolle 
eines „ehrlichen Makler38', der das Geschäft wirklich zu Stande 
bringen will, begnügte“, in Berlin tagte. Das praktische Resultat 
des musterhaft geleiteten Kongresses war: die Beschränkung des 
Fürstenthums Bulgarien auf das Land nördlich de8 Balkans mit 
Sofia, die Besezung Bosnien38 und der Herzegowina durch Oester- 
reim, Vergrößerung Griechenlands und Erklärung von Rumänien, 
Serbien und Montenegro zu unabhängigen Staaten. 
Der Kongreß sowohl, wie die Ablehnung des Tabakmonopols 
im Reichstag boten der Satire des Kladderadatsch ausgiebigen 
Stoff. 
Auc< die Ausnahmegeseze gegen die Sozialdemokratie, und 
später der Abschluß des Schußbündnisses zwischen Deutschland und 
Oesterreich nahmen das allgemeine Interesse sehr in Anspruch. 
In Italien hatte nach dem Tode Viktor Emanuels sein Sohn 
Humbert den Thron bestiegen, und in demselben Jahre =- 1878 -- 
starb Papst Pius IX., dem Leo XI1l. im Pontificat folgte. 
In dem Kriege der Engländer gegen die Zulu-Kaffern war 
der Sohn Louis Napoleons, der 1870 als „Lulu“ bei Saarbrücken den 
Scherz mit der Mitrailleuse aufführen mußte und dabei die „Feuer- 
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