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I. Vormärzliches

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

413 HS 
„Was glaubt der Deutsche nicht? Er glaubt an die Unfehl- 
barfeit der deutschen Regierung ebenso fest, wie an die Unsterblich- 
feit der Seele.“ 
„Der erste GlaubenSartikel im politischen KatechiSmus der 
Deutschen ist: Hören, - Sehen- und Schweigen.“ 
„Nur an Einem zweifelt der Deutsche = an seiner eigenen 
Kraft, die er noch nie brauchen gelernt." 
„Viel stärker noc< als der deutsche Glaube ist die deutsche 
Liebe. Man kann gar viele Dinge lieben auf dieser bösen Welt, 
das Geld, den Ruhm, die Kunst und schöne Frauen; der Deutsche 
aber liebt außer seiner Braut und Ordens8bändern seinen angestammten 
Herrscher. . . . . Der Deutsche liebt nicht sein Vaterland, sondern 
den Vater seines Landes, und da Deutschland über dreißig solcher 
Väter hat, kann man sich leicht denken, wie viel loyale Liebe in 
Germanien konsumirt wird.“ 
„Die deutsche Nation giebt eher den Geist als die Hoffnung 
auf. Aber es geht leider der deutschen Hoffnung wie der 
Cypresse; beide sind immer grün, aber auch immer an Gräber 
gepflanzt.“ 
„I< weiß nicht, ob in Deutschland der Fortschritt im Rück- 
schritt, oder der Rüschritt im Fortschritt größer ist.“ 
„Was ist de8 Deutschen Vaterland? 
Jedes Land außer Deutschland.“ 
„Giebt es auch Thiere, die den Fischen gleichen? 
O jak. 
Welche ? 
Die Deutschen. 
Warum? 
Beide bleiben stumm, wenn ihnen auch die Schuppen von den 
Augen fallen.“ 
„Ein deutscher Schullehrer und das deutsche Volk sind sich 
darin ähnlich, daß beide sehr hart geprüft werden und dennoch nie 
auf einen grünen Zweig kommen.“ 
„Die Deutschen und die Kartoffeln wissen sich in jede Lage zu 
schien. Nackt oder in Montur, gekocht oder gebraten bleiben sie 
sc<mackhaft genug, um von dem kleinsten Fürsten mit dem größten 
Appetit verschluckt zu werden.“ 
„Der Deutsche gleicht der Rebe. Den wahren Geist erhält er 
erst, nachdem er gepreßt wird.“ 
„Aristokrat. Macht sich immer grün und nimmt sich die Frei- 
heit, keine Gleichheit zu dulden. Wenn er aufhört ein Bube zu 
- 
4.
	        
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