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Der Kladderadatsch. 1848-1898

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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Kladderadatsch in seiner Gesamtheit stören und trüben, ja ver- 
zerren könnten, und behielt mir vor, bei dem Eintreten der vollen 
staats8männischen Persönlichkeit BiSmar>s in unsere neue Einheit8- 
geschichte, als deren Schöpfer er gepriesen wird, sein Verhältniß zum 
Kladderadatsch in gedrängter Kürze zu beleuchten. 
Die Stürme des Jahres 1848 trugen zuerst BiSmar>'s Namen 
in die größere Oeffentlichkeit. Als „Führer der Junker“ war der 
damalige Deichhauptmann von Schoenhausen vom vereinigten preu- 
Bischen Landtag 1847 her schon bekannt geworden. 
Mit großem Zornesmuth erfüllten ihn die revolutionären 
Creignisse in Berlin, sodaß er erkrankte, aber auf die Nachricht von 
dem Barrikadenkampf am 18. März hin sein Krankenlager verließ, 
„um mit eigenem Leib und Leben den König vor weiterem Unglimpf 
zu schüßen.“ 
Das Bild des gewaltigen Nordlands8recken aus sagenhafter 
Vorzeit mit seiner unvergleichlichen Königstreue steht hier lebendig 
vor uns. 
Schwerwiegend waren damals Bi8marc>s Worte, welche er 
über die Märzrevolution und den neuen polnischen Aufstand an die 
Magdeburger Zeitung schrieb. Unterm 30. März heißt es u. a.: 
„Wenn alle Handlungen Seiner Majestät in den letzten vierzehn 
Tagen durchaus freiwillig gewesen sind, wa8 weder Ihr Korre- 
spondent noc< ich mit Sicherheit wissen können, was hätten dann 
die Berliner erkämpft? Dann wäre der Kampf am 18. und 19. 
mindestens ein überflüssiger und zwecloser gewesen -- und alles 
Blutvergießen ohne Veranlassung und ohne Erfolg.“ 
Ueber den neuen polnischen Aufstand sagte er unterm 
20. April: „Die Befreiung der wegen Landesverraths verurtheilten 
Polen ist eine der Errungenschaften de8 Berliner Märzkampfes und 
zwar eine der wesentlichsten. Die Berliner haben mit ihrem Blute 
die Polen befreit und sie dann eigenhändig im Triumph durch die 
Straßen gezogen. Zum Dank dafür sind die Befreiten bald darauf 
an der Spie von Banden, welche die deutschen Einwohner einer 
preußischen Provinz mit Plünderung und Mord, mit Niedermetelung 
und barbarischer Verstümmelung von Weibern und Kindern heim- 
suchen. So hat deutscher EnthusiaSmus wieder einmal zum eigenen 
Schaden fremde Kastanien aus dem Feuer geholt. Ich hätte es 
erklärlich gefunden, wenn der erste Aufschwung deutscher Kraft und 
Einheit sich damit Luft gemacht hätte, Frankreich das Elsaß abzu- 
fordern und die deutsche Fahne auf den Thurm von Straßburg zu 
pflanzen. Aber es ist mehr als deutsche Gutmüthigkeit, wenn wir
	        
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