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Der Kladderadatsch. 1848-1898

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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Bürgerrecht ihn schüßte, und er demzufolge in Berlin bleiben 
konnte. 
Diese aufregende Episode und ihre Folgen nahmen aber auch 
endlich ein Ende, und die beiden Ausgewiesenen, die von ihrem 
Aufenihalt8orte Spandau oft heimlich nach Berlin kamen, und dort 
von der Polizei stillschweigend geduldet wurden, durften bald ganz 
wieder zurückkehren. 
Hofrath Louis Schneider, der bekannte frühere Schauspieler 
und Schriftsteller, war Vorleser des Königs, und stand bei dem- 
selben in ebenso hoher Gunst, wie in späterer Zeit bei König 
Wilhelm 1. Er war eifriger Leser und Verehrer des Kladderadatsch 
und brachte demselben unverhohlen sein Wohlwollen entgegen. Die 
Aufhebung der Verbannung der beiden Kladderadatschgelehrten wird 
hauptsächlich seinem Einflusz; zugeschrieben. 
Die Verbreitung des Kladderadatsch nahm gerade in der 
Blüthezeit der Reaktion so enorm zu, daß er sich rasch zum einflusß- 
reichen Welt-Wißblatt entwickelte. Er fand überall begeisterte An- 
hänger und erbitterte Gegner, lektere namentlich in den Kabinetten 
der deutschen und auswärtigen Staaten. 
Im Königreich Polen fand er keine Aufnahme; es wurde ihm 
hier der Zutritt regierungsseitig sogleich verboten, wie nachstehendes 
amtliches Schreiben ohne Jahreszahl besagt: 
„Le Directeur en Chef de lI' Interieur et des Culteg, 
Pregident du Conseil de 1'Instruction Publique du Royaume 
de Pologne. 
Varsovie 16 30 Octobre.“ 
„Auf Ihre Eingabe vom 9. Angust dieses Jahres be- 
treff3 der Debits - Erlaubniß des Blattes „Kladderadatsch“ 
im Königreiche Polen, bestimmt der Kurator hierdurch mit 
Zurücksendung der überschi>ten Exemplare, daß dem Wunsche 
des Bittsteller3 nicht Genüge geleistet werden kann.“ 
Mit der österreichischen Negierung hatte der Kladderadatsch e3 
bald ganz verdorben. Schon ein Brief eines Ministerialbeamten 
Schweitzer aus Wien warnt in aller Freundschaft ven Kladderadatsch 
und macht ihn darauf aufmerksam, daß nach den Aeußerungen eines 
bekannten freisinnigen Schriftstellers in einer Wiener Zeitung 
„Ocsterreich nicht länger geneigt wäre, sich von Berlin aus so vcr- 
höhnen und in's Gesicht schlagen zu lassen“. 
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