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Der Kladderadatsch. 1848-1898

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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Der Du im Schlachtgewühl die Flügel spreiztest 
Und fühn der Franken Adler fiederbeiztest, 
Der stolz der Knechtschaft und der Dämmrung Flor 
Durchbrochen mit der Freiheit Meteor. 
Hoch in der Sonne glänzte Dein Gefieder 
Und scharfen Blickes herrschtest Du hernieder =- 
Und nun? -- und nun! wie ist Dein Schwung gelähmt! 
Wie hat man Dich gekettet und gezähmt! 
Wer hat in Staub getreten Deine Krone ? 
Wer weidet sich an Dir mit frechem Hohne? 
Wer hat der Herrschaft Scepter Dir zersplittert? 
Sie selber sind's, die einst vor Dir gezittert. 
Nehmt euch in Acht, noch dürft ihr ihm nicht trauen! 
Wenn ex sich losreißt =- scharf noch sind die Klauen! 
Und rauftet ihr auch frevelnd sein Gefieder = 
Nehmt euch in A<ht: Die Schwingen wachsen wieder. 
Kladderadatsch hatte seinen Kampf gegen die Reaktion mit 
ihrer „Beschränkung des Unterthanenverstandes“ und eifrig betrie- 
benen „Staatsretterei“ frisch und fröhlich aufgenommen und sc<hleu- 
derte die Pfeile seiner kaustis<en Satire ke> und ohne Furcht jo 
lange gegen seine Feinde, bis Papa Wrangel darob hoch ergrimmte 
und das „naseweise“ Blatt während des Belagerungszustandes im 
zweimeiligen Umkreis von Berlin verbot und ihm auch den Post- 
debit entzog. 
Da trat denn eine traurige Zeit der Verbannung für das 
junge Blatt ein und es gehörte die große Thatkraft, Umsicht und 
Gewandtheit eines besonder8 begabten und tüchtigen Verlegers, 
wie Hofman, dazu, das Unternehmen gegen alle Chikanen und Ber- 
folgungen zu schükßen, die empfindlichen Schläge glücklich zu pariren 
und es über Wasser zu halten. 
Bis auf Dohm, der in Berlin blieb, waren Verleger und 
Herausgeber mit dem Kladderadatsch ausgewiesen. 
Hofmann wanderte mit seinem verbannten Kinde nach Leipzig 
und fand bei seinem Kollegen Ernst Keil, dem späteren berühmten 
Herausgeber und Verleger der „Gartenlaube,“ ein menschen- 
freundliches Asyl. 
Vier Wochenlang übernahm Freund Keil Vaterstelle an dem unbän- 
digen Berliner Kinde und ließ den Kladderadatsch in seinem Verlage 
weiter erscheinen. Auch die Redaktion geschah, wie wir aus den in 
Leipzig erschienenen Nummern ersehen können, unter der Verant- 
wortung der neuen Verlags8handlung. Es kann jedoch mit Sicher- 
heit angenommen werden, daß der mit au8gewiesene Rudolf Löwen-
	        
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