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Der Kladderadatsch. 1848-1898

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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So sprachen in Anerkennung seiner Verdienste vor mehr als 
dreißig Jahren die „Blätter für literarische Unterhaltung“ bei 
einer Musterung der illustrirten Wittzblätter sich über den Kladde- 
radatsch aus. 
Das feiste Gesicht des echten Berliner Philisters alter Sorte, 
auf dem überlegener Wik, gepaart mit gesundem Menschenverstand 
in gelungener Vereinigung zum Ausdru> kommt, schaut uns noch 
jezt nach fünfzig.Jahren im Titelkopf unseres Jubilars allwöchentlich 
unverändert mit seinen schlauen Angen an und ladet uns zum Lesen 
ver neuen Nummer ein, auf ihren Inhalt mit dem Finger hin- 
weisend. Ja, eine sehr konservative Seite hat bei jeinem hohen 
Alter der Kladderadatsch die langen Jahre seines Bestehens hin- 
durch sich bewahrt: die Unveränderlichkeit seiner äußeren Erscheinung, 
die Hand in Hand geht mit der unveränderten Selbständigkeit und 
Frische seines wißigen und humorvollen Inhalts. 
Von dem Kladderadatschkopf habe ich schon bei der Entstehungs- 
geschichte des Blattes gesprochen. Passender hätte feine Titel- 
Vignette gezeichnet werden können, als dieser <arakteristische Kopf, 
in welchem die ganze Eigenart des Blattes zum entsprechenden 
Ausdruck kommt, und es war ein selten glücklicher Zufall, daß der 
Verleger den gelegentlich erworbenen Holzschnitt gleich bei der 
Geburt des Kladderadatsch bei der Hand hatte. Der Kopf hatte 
vorher den Umschlag des vom Buchhändler B. Senff in Leipzig 
herau8gegebenen „Anekdotenjägers8“, Jahrgang 1847, geziert und 
außerdem noch einmal Verwendung gefunden in Nr. 52 desselben 
Jahrgangs bei einer Anzeige, die eine Aufforderung zum Abonne- 
ment auf jenes Blatt brachte. 
Buchhändler Bartholf Senff in Leipzig machte dem jekigen 
Verleger Rudolf Hofmann, Sohn des verstorbenen Albert Hofmann, 
über die Entstehung de8 Kladderadatschkopfes kürzlich folgende in- 
teressante briefliche Mittheilung: „Der Kopf des Kladderadatsch ent- 
sprang dem Kopfe oder den Fingern eines Seidenhandlungs-Kommis, 
der damals mitunter in unserem Kreis literarisirender Buchhand- 
lungsjünger erschien. Er kam aus dem hiesigen Seidenhause der 
Gebrüder Jelix, hatte ein hübsches Zeichentalent und seinem Skizzen- 
buch entnahm ich den Kopf für den zu jener Zeit von mir ver- 
brochenen „Anekdotenjäger“. Der Name des Künstlers ist mir ent- 
fallen. Ich habe den Kopf korrigiren und in Holz schneiden lassen. 
Ihrem Herrn Vater, mit dem ich in jahrelangem freundlichen Ver- 
fehr blieb, überließ ich Cliches. Er kaufte bei Bedarf neue, bis er 
auf den ökonomischen Einfall kam, das Original zu erwerben. Wir
	        
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