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Der Kladderadatsch. 1848-1898

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

1.20 
diesem abzuwenden. Er scheute dabei auch niht die Gefahren per- 
sönli<er Verfolgungen. 
So sc<muggelte er, als der Kladderadatsch. 1849 während 
des Belagerungszustandes8 in Berlin von Wrangel verboten worden 
war, und das Blatt im benachbarten Neustadt-Eber8walde herge- 
stellt werden mußte, = persönlich allwöchentlich hunderte unter 
einem großen Mantel verborgen gehaltene Exemplare über die Be- 
lagerung8grenze in Berlin ein. = 
Die mit den ewigen Verfolgungen des Blattes verbundenen 
pefuniären Verluste, denen zum AuSgleich eine vorhandene Kapitals8- 
kraft des Verlegers in jenen Jahren nicht gegenüber stand, hätten 
wohl jeden Anderen leicht entmuthigt, und ihn dahin gebracht, dem 
Kampfe zu entsagen und das Unternehmen aufzugeben. Nicht so 
Hofmann! 
Es war ihm -=-- der ja des Kladderadatsche3 einstige Größe 
und seine Eigenschaft als eine Quelle großen materiellen Gewinnes 
damals nicht voraussehen konnte -- eine Ehrensache, das Blatt, an dem 
er mit allen Fasern seines Herzens hing, um der Sache selbst willen, 
und als eine Vertheidigungswaffe für die LebenSerhaltung des 
liberalen Gedankens zu bewahren und weiterzuführen. 
Die Lauterkeit seines Charakters, sein liebenswürdiges mit 
reichem Humor durchseztes Wesen verschafften ihm Eingang zu 
allen Kreisen. Ueberall bei seinen Berufsgenossen, in Schriftsteller- 
wie Finanz- und selbst in Regierungskreisen war er ein gern gesehener, 
stet8 willkommener Gast. Dieser Verkehr in den verschiedensten 
Schichten der Gesellschaft kam auch dem Kladderadatsch zu gute und 
manches dem Blatte drohende Verhängniß wurde von ihm durch 
seines Verlegers persönliche Beziehungen zu maßgebenden Kreisen 
abgewendet. 
Man hat gesagt, Hofmann sei ein von großem Glück 
begünstigter Mensch gewesen, dem Alles, was er begann, gelungen 
sei; diese Anschauung war so allgemein verbreitet, daß einst, als 
darauf die Rede kam, Jemand sagte: „Ich glaube, wenn Hofmann 
heute ein Sargmagazin eröffnen würde, bräche sofort die Cholera 
aus und halb Berlin stürbe.“ . 
Diese Anschauung hatte eine gewisse Berechtigung, denn die 
meisten Unternehmungen Hofmanns glückten in der That, es 
wäre aber grundfalsch zu glauben, daß ihm ein solches Glück jemals 
blindlings in den Schooß gefallen sei. Seine Klugheit, sein klarer 
Bli> sür die Bedürfnisse der Zeit, ließen ihn stets die richtige Ge- 
legenheit, etwas zu unternehmen, und damit das Glück beim Schopfe 
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