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Der Kladderadatsch. 1848-1898

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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„Im Jahre 1838 und 1839, kurz nach dem Tode des Komikers 
Plock, der neben Beckmann ein gefeiertes Mitglied des Königstädti- 
schen Theaters in Berlin war, saßen der Kommissionsrath Cerf und 
Louis Schneider (damals Hofschauspieler) in der Stehely'schen 
Konditorei. (Es wurde über den etwaigen Nachfolger Plo>'s de- 
battirt, und Schneider versprach dem Impresario, ihm einen tüch- 
tigen Komiker zu empfehlen. Der geniale Darsteller des Dr. Wespe, 
der hoc<fomische Repräsentant des Bertram in dem Ballet „Robert 
und Bertram“, der damals noch keine Ahnung von der künftigen 
Würde des Geheimen Hofraths hatte, liebte e8, zuweilen ein kleines 
Späßchen auszuführen, und Cerf sollte die8Smal sein Opfer sein. 
Vor dem Halleschen Thore existirte damals ein Liebhaber-Theater, 
„zum blauen Himmel“ genannt. Auf den Brettern dieser Bühne 
machten zwei junge Dilettanten außerordentliches Furore; der eine 
fkopirte Be&kmann in so meisterhafter Art, daß man Original und 
Kopie oft nicht unterscheiden konnte, der andere war das vollständige 
Ebenbild Plo>'s, dem er jeden Zug abgelauscht hatte. Sie zeich- 
neten sich namentlich in der Posse „Die Reise auf gemeinschaftliche 
Kosten“ aus; der eine als Liborius (eine Lieblingsrolle Be&kmann's), 
der andere als Brenne>e (eine der hervorragendsten Leistungen 
Plo>'s). Der Darsteller dieser letzteren Rolle hieß Ka38par; ex war 
der Sohn des Besiters einer kleinen Konditorei. Als im „blauen 
Himmel“ die „Reise auf gemeinschaftliche Kosten“ gespielt wurde, 
gingen Louis Schneider und Cerf dorthin, um den eventuellen Nach- 
folger Plo>'s zu sehen. Cerf war entzückt, der „Liborius“ und der 
„Brennecke“ imponirten ihm in hohem Grade. „Dieser Brennecke 
muß Plo>'s Nachfolger werden,“ rief der Impresario, „und wenn 
der Beckmann stirbt, dann hole ich mir den andern, den Liborius!“ 
Louis Schneider hatte schon vorher mit Kaspar Rücksprache ge- 
nommen, ein Späßchen mit ihm verabredet, und für den nächsten 
Tag ein Rendezvous in der kleinen Konditorei in der Jerusalemer- 
Straße festgeseßt. Louis Schneider und Cerf erschienen zur be- 
stimmten Stunde, aber Kas3par ließ sich nicht sehen. Endlich trat 
ein Mann mit steifer Haltung und sogenannten Geisterschritten ein 
-=- e8 war der leibhaftige Plo>! Cerf fuhr schaudernd zusammen, 
denn er glaubte, sein ehemaliger Komiker sei aus dem Grabe ge- 
stiegen. „Hier spukt's!“ rief er, und wollte fliehen, aber der „Geist“ 
hielt ihn fest. „Willst Du mir auch im Grabe keine Ruhe gönnen ?“ 
fragte dieser mit hohler Stimme, die aber lebhaft an Ploc> erinnerte. 
Cerf zitterte am ganzen Körper. „Du willst meinen Schatten, den 
Kaspar, -zu meinem Nachfolger machen =- das soll Dir theuer zu
	        
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