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Der Kladderadatsch. 1848-1898

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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der Rütli-Gesellschaft hervorgegangen sei =- dürfte die meinige wohl 
die größte Wahrscheinlichkeit für sich haben. 
So hatte denn gleich nach dem heißen Toben der Barrikaden- 
kämpfe im schwarz - roth - goldenen Dichterrausch der Freiheit- und 
Gleichheit-Seligkeit Kladderadatsch das Licht der Welt erblickt 
und durch den Taufakt am Alexanderplatz im edlen feurigen Reben- 
gold seine geistige Weihe empfangen. Daß er aber als echter 
„gesunder Berliner Junge“ auch „mit Spreewasser getauft“ wurde, 
möchte ich wohl als selbstverständlich annehmen, ohne den damals 
anerkannt guten Hippel'schen Weinen zu nahe treten zu wollen. 
* Die Berechtigung seiner Existenz bewies der Neugeborene un- 
mittelbar nach seinem Eintritt in die Welt, den wir nach den glän- 
zenden Erfolgen, die er in kurzer Zeit errang, wohl mit Recht als 
eine Zeitnothwendigkeit bezeichnen können. Waren doch neben 
Verschwommenheit und Unklarheit die tollen Widersprüche und 
schroffen Gegensäße, die nach den Märztagen auf dem neuerkämpften 
Boden des Staats- und Gesellschaft8leben8 im wunderlichsten Tanze 
sich abspielten, allzusehr dazu geeignet, ja geradezu herausfordernd, 
daß ihnen der Spiegel der Satire vorgehalten wurde. 
Wie ich schon erwähnt, waren Hofmann und Kalisch die eigent- 
lichen Schöpfer des Kladderadatsch; der treue und sorgsame Pfleger 
und Unterhalter des Blattes durch alle Fährlichkeiten der Zeit aber 
blieb der hochintelligente Verleger. 
- Oft und gern erinnere ich mich mancher schönen Stunde, die 
ich mit dem älteren Freunde zusammen verlebt habe, theils im 
Kollegenfreise, theils mit den damaligen „Gelehrten de8 Kladdera- 
datsch“. Waren es doch stets geistig belebte, humorvolle Stunden, 
deren Lichtglanz auch ins spätere Dasein noch hell hineinleuchtet. 
I< möchte die Erinnerung an Albert Hofmann, zu einem 
kurzen Leben8- und Charakterbild ausgestaltet, in dieser Jubiläums- 
schrift als Erfüllung einer Ehrenpflicht niederlegen in dem Gefühl, 
daß fein Plaß passender ist, das Gedächtniß an den Schöpfer des 
Weltwißblattes festzuhalten, als diese Festgabe zur Feier des fünfzig- 
jährigen Geburtstages des Kladderadatsch. Hat Hofmann doch 
als treuer, vorsorglicher Vater sein Kind gehegt und gepflegt, bis 
es sich fräftig entwiekelt hatte und er den unbändigen Kobold, ein 
fühner, hellsehender Pilot, mit fester, starker Hand „in Wetter, 
Sturm und Wogendrang“ durch alle Klippen und Fährlichkeiten 
der dunkelen Reaktion8- und bewegten Konflikt8zeit sicher geleitet
	        
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