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Die "Gelehrten" des Kladderadatsch im Verkehr unter einander und im Leben

Full text: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848-1898 / Hofmann, Rudolf (Public Domain)

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Werke durften ausschließlich- nur auf den Königlichen Theatern 
zur Aufführung gelangen. Gußkow, Laube und Friedrich Hebbel 
fanden in dieser Zeit zuerst Eingang auf die Hofbühne. Wenn 
wir von dem dramatischen Kunstleben und -Streben der da- 
maligen Zeit in der preußis<en Hauptstadt reden, so dürfen 
wir an einem kleinen Privat-Kunsttempel nicht schweigend vor- 
übergehen =- es ist das allbekannte Gesellschaft8theater Urania, 
welches vor wenigen Jahren in Gegenwart des Kaisers auf der 
Bühne des Königlichen Opernhauses sein hundertjähriges Bestehen 
feierte. Bot diese beachtenswerthe kleine Bühne auch nur Privat- 
kreisen einen Kunstgenuß, so ist sie für die Schauspielkunst 
doch sehr bedeutungs8voll geworden, denn viele bekannte Bühnen- 
größen, wie Crüsemann, Geschwister Stich, die Crelinger, Theodor 
Döring, Friedrich Haase, Hiltl, Berndal, Possart, Kahle, Mat- 
fows8ky, Pauline Ulrich und andere beschritten von ihren welt- 
bedeutenden Brettern die Wege zu ihrer Größe und ihrem Ruhm. 
Auch der Verleger des Kladderadatsch, Albert Hofmann, war bei 
seinem großen Theater-Interesse seiner Zeit Mitglied der Urania 
und spielte als darstellende Kraft auf ihren Brettern eine hervor- 
ragende Rolle. 
Ein Bühnenereigniß kann man es nennen, als 1847 David 
Kalisch, nachdem vorher einige Jahre hindurch eine vortreffliche 
italienische Oper die Berliner am Alexanderplatz entzückt hatte, mit 
seiner ersten Posse „Einmalhunderttausend Thaler“ seinen siegreichen 
Einzug auf die Bretter des Königstädtischen Theaters hielt. Kalisch 
ist der Schöpfer der Berliner Posse, welche fast zwei Jahrzehnte 
die Bühne beherrschte. Sein Wiß und sein Humor auf diesem Ge- 
biete waren unerschöpflich und seine Coupletdichtungen, die bis in 
unsere neueste Zeit noc< hineinklingen, kann man in ihrer Art 
klassisch nennen. Alle seine vielen Nachahmer und Nachfolger haben 
nicht annähernd die Höhe von Kalisch erreicht. Die Posse 3og 
später mit ihren ganz vorzüglichen darstellenden Kräften, unter 
denen ich nur den unvergeßlichen Helmerding hier nennen will, 
nach der Blumenstraße in das neuerbaute Wallner-Theater, welches 
die Nachfolgerin des Königstädtischen ward. 
Wenn jetzt das Adreßbuch 1227 gegenwärtig in Berlin er- 
scheinende Zeitungen verzeichnet, so ist es kaum zu fassen, daß da- 
mals das politische Lesebedürfniß durch etwa se<s namhafte Blätter 
in der Hauptstadt Preußens gede>t wurde. Es waren vornehmlich 
die Allgemeine Preußische Staats8zeitung, die 1848 ihren 
Titel in Preuß. Staat3anzeiger änderte und jekt als Preuß.
	        
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