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II. Zur Musikgeschichte

Full text: Aus Adolf Bernhard Marx' litterarischem Nachlass / Selle, Gustav F. (Public Domain)

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Die Oper ist eine gefährliche Klippe für die Musik, weil da 
wirkliche und handelnde Menschen vortreten, deren ganzer Inhalt 
nicht in der Sprache der Musik zum Ausdruck kommt. Hier die 
Scylla der Deklamation, in der die Musik untergeht, — die rheto- 
risch-theatralischen Effekte; dort die Charybdis, die das geistige 
Leben hinunterschlürft und in den haltlosen Wogen der Sinnlich- 
keit begräbt. 
Text. Relation und Beschreibung des Pathetischen giebt 
nicht Pathos, sondern höchstens Reflex des Pathos, Kaminfeuer, 
im Spiegel gesehen. 
Zweck der Kunst. Der blosse innere Trieb kann unwider- 
stehlich, in der Natur des Künstlers unabänderlich, — seine Hem- 
mung oder Ablenkung lähmend oder störend sein. 
Aber dessen ungeachtet behalten Vernunft, Sittlichkeit, Geistes- 
standpunkt volles Gewicht. Sie bestimmen den Wert. 
Darf der Künstler alles? Darf er jede Rührung u. s. w. zum 
Ausdruck bringen? 
Die Athener büssen den Phrynichos um 1000 Drachmen, als 
er durch ein Drama an ein vaterländisches Unglück — die Er- 
oberung von Milet — erinnert, dass alle Zuschauer in Thränen aus- 
brechen (Herodot Buch 6. 21). 
Der Fortschritt von der positiven Vokalmusik zu der hypo- 
thetischen Instrumentalmusik ist bedingt 1. durch tiefstes Gefühl 
der musikalischen Macht, 2. durch Erschöpfung der ersteren. 
Erst betont, accentuiert man das Wort, dann interpretiert 
und vertieft, dann submergiert man es. Ist notwendiger Gang. 
Meyerbeer, Berlioz notwendig, 
Faust von Radziwill, Faust, Scenen aus dem 2. Teil, 
yon Schumann — sind Irrtümer, hinter denen die Wahrheit liegt, 
dass die Musik sich erschöpft hat. 
FE 
Le
	        
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