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II. Zur Musikgeschichte

Full text: Aus Adolf Bernhard Marx' litterarischem Nachlass / Selle, Gustav F. (Public Domain)

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Giottos Bilder und andere alte sollen Frömmigkeit haben. 
— $ie sind nur entleert. jedes besonderen Charakters und Aus- 
drucks, auch des frommen. So die alten Musiken. 
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Die Thibaut-Winterfeldschen Grillen auf das schlagendste 
zu widerlegen. Dazu die Instrumental- und Orgelbegleitung als 
Argument. Nachweis von Stellen, die zugleich für entgegenge- 
setzteste Stimmungen gedient. Mangel an Rhythmik; Mangel an 
Dynamik, noch bei Händel. Händel lässt zum Sologesange 
immer piano, die Zwischenspiele — wären sie auch nur einen 
Takt lang. — immer forte spielen; also nur äusserlicher Be- 
stimmungsgrund. 
Romantik, — clair obscur für ein träumerisches Kindervolk 
ohne Bewusstsein realer und dringlicher Interessen. 
Wahrheit des Ausdrucks! Ach Gott, wie schwer und 
selten! — Also „töt erst sein Weib“ in Leonore von Beethoven 
„Wirkte erschütternd, wie das ganze Quartett.“ — Ist. ja nicht 
wahr! Ist schlecht komponiert. Und das soll ich alles sagen, 
und stets ich allein! 
Opernsujet. . Bei der Rachelschen Phädra — und ihrem 
aufgestelzten Theseus — zeigt sich, wann und warum mytho- 
logische und klassische Stoffe für die Oper günstig sind. 
Nämlich: Was haben wir mit der tollen Liebeswut der .Phädra, 
mit der theseischen Übereilung, mit ‚all. .dem. Zeug zu. thun? 
Nichts. Wir teilen das nicht; wir müssen fast lachen über die 
Grile, wir glauben nicht daran, weil wir’s nicht begreifen, -— 
wir können es um so weniger begreifen, weil es sich nicht vor 
uns entwickelt. 
Und doch sehen wir Leiden und Wut einer durchstürmten 
Menschenseele, 
Da — tritt Musik hinzu, verschleiert. Wort und Gedanken; 
verstärkt die Accente der Leidenschaft geistig. und.mildert, 
indem sie die Realität der Handlung mindert. |
	        
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