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I. Zur Musikwissenschaft

Full text: Aus Adolf Bernhard Marx' litterarischem Nachlass / Selle, Gustav F. (Public Domain)

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von Glück neben Schmerz (Vestalin I). — Dagegen die Schacher- 
karikatur in den Hugenotten, das Liebesduett neben dem Mord- 
getümmel! 
Ein Gebäude ist nur in der Realisierung seines Zweckes zu 
betrachten, z. B. ein Theater, gefüllt mit Lichtglanz, ein Tempel 
mit dem Opfer. und der Menge der Betenden, das Strassburger 
Münster mit Prozession u. s. w. — HEin leerer Tempel, in den 
einer tritt, erzeugt Gespenstereffekt, 
Tanz ist gestaltgewordene Musik. Er hat von den musika- 
lischen Elementen: 1. Bewegung als Grundelement, 2, Tempo, 
3. Rhythmus, 4. Accent, 5. Schrittweise, 6. Polyphonie, nämlich 
Bewegung mehrerer gegeneinander und Bewegung verschiedener 
Glieder, 
Musik im Balett ist nicht Sprache der Agierenden. 
Melodie ist: 1. ein Gedanke, 2. ein logisch oder psycholo- 
gisch ‚Entwickeltes. Daher Einheit und Entwickelung zugleich 
nötig. Mithin ist ein Motiv noch nicht Melodie, sondern es ist 
ein Festhalten, Verpflanzen und. Verwandeln des Motivs notwendig, 
aber ewiger Motivwechsel unstatthaft. 
Fasslichkeit einer Melodie beruht auf melismatischer und 
rhythmischer Motivierung. Unmotivierte Melodie ist Prosa. — 
Ja? — Nein, nicht Prosa, sondern Zusammenhangsdunkel. 
Rhetorische Melodie, nämlich blosse Fixation der Sprach- 
accente als musikalische, ist noch nicht fester (selbständiger) 
musikalischer Gedanke. Der fordert musikalische Motivierung, 
Jenes ist Übersetzung mit Verleugnung der eigenen Sprache.
	        
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