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I. Zur Musikwissenschaft

Full text: Aus Adolf Bernhard Marx' litterarischem Nachlass / Selle, Gustav F. (Public Domain)

L. 
Zur Musikwissenschaft, 
I seiner „Allgem. Musiklehre“ und in seiner „Kompositionslehre“ 
macht Marx vielfach die Anmerkung: „Das weitere hat die 
Musikwissenschaft näher zu erweisen und zu begründen.“ Es 
ist. dies z. B. an den Stellen der Fall, wo er redet: vom Sinne 
der einzelnen Intervalle; vom Terzenbau der Accorde; vom Wesen 
„des Ur- d. i. Durdreiklangs, des getrübten Molldreiklangs, des 
verkümmerten verminderten Dreiklangs, des hinausstrebenden über- 
mässigen Dreiklangs;“ vom Charakter der Tonarten; von der Be- 
ziehung der Tonarten aufeinander; vom Klangunterschiede der 
einzelnen Orchesterinstrumente; von der „auf tieferen psSycho- 
logischen Erörterungen und Anschauungen beruhenden Verwendung 
des forte und des piano“; von dem Sinne der einzelnen Kunstgestalten; 
von der Verbindung der Formen (namentlich gelegentlich seiner Be- 
handlung der Sonate); von dem Inhalte einer Komposition; vom 
Wesen aller Künste; von der Scheidung der Künste; von der 
Verbindung der Musik mit anderen Künsten; von den Bedingungen 
der Zusammenwirkung mehrerer Künste u. 8. w. u. Ss. W. 
Jene Anmerkungen, die sich sowohl im Texte, wie in 
Fussnoten der beiden angeführten. Werke finden, betonen aufs 
schärfste, dass die Kompositionslehre den durchaus praktischen 
Zweck habe, musikalisch gestalten zu lehren, und dass sie zur 
Erreichung dieses Zweckes sich an den jedem Musikfähigen ein- 
geborenen Sinn wende, während sie die physikalische und mathe- 
matische, sowie die psychologische, ästhetische und philosophische 
Beweisführung der  Musikwissenschaft überlassen müsse. 
Wiederholt spricht Marx es auch aus, dass er den nötigen Be- 
weis und die letzte Begründung und Rechtfertigung des in der 
Kompositionslehre Dargelegten nicht schuldig bleiben werde, und 
dass die Herausgabe einer „Musikwissenschaft“ von ihm zu er- 
warten sei und bevorstehe. — Er hat sie nicht mehr schreiben 
sollen. Aber welch ein grossartiger Plan zu einem solchen Werke 
in seinem Geiste nach und nach gereift war, lassen die Vor- 
arbeiten erkennen. Eine reiche Litteratur hat er für seinen Zweck
	        
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