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2. Von Berlin bis Mailand

Full text: Sängerreise der Berliner Liedertafel nach Italien (Public Domain)

schilderte die Eindrücke, die die gewaltigen, schneebedeckten 
Höhenzüge auf die Bewohner des nordischen Flachlandes 
gemacht hätten, wie man auf der Fahrt aus dem ‘Staunen, 
aus der Bewunderung nicht herausgekommen sei, wie sich 
die Berge immer höher, immer mächtiger, immer gewaltiger 
gestalteten, bis man nun endlich in dem „alten, schönen 
Innsbruck“ angelangt sei. Redner sprach das Bedauern der 
Liedertäfler aus, dass die Reisepläne es leider nicht ge- 
statteten, hier an diesem schönen Orte bei so lieben Freunden 
länger zu verweilen: „„Denn‘, so schloss er, „wir Nordländer 
lieben mit Euch Eure herrlichen Berge, die hier so wunderbar 
von allen Seiten auf uns niederschauen; aber wir lieben nicht 
bloss Euer wunderschönes Land, wir lieben auch Euch, deren 
Herzen warm und bieder schlagen für alles, was deutsch ist: 
Deutsche Sprache, deutsche Sitte, deutsches Lied und die, wie 
wir wissen, in schweren Kämpfen ihr altes, heiliges Recht auf 
die höchsten Güter verteidigt haben und auch noch verteidigen 
müssen. Werdet Ihr Euer Wanderziel einmal nach Berlin 
richten, so sollt Ihr uns herzlich willkommen sein und Euch 
nicht über die „kalten“ Berliner zu beklagen haben.“ Zum 
Zeichen der geschlossenen Freundschaft bitte er die Lieder- 
täfler, den Wahlspruch anzustimmen. (Chormeister Zander 
intonierte denselben sofort, und mächtig erbrauste es: „Fest 
und klar, treu und wahr!“ Dem Berichterstatter kam es vor, 
als ob er nur selten so kraftvoll geklungen hätte wie hier, im 
Angesicht der ewigen Berge und ihrer kerndeutschen Bewohner. 
Doch es war leider nicht viel Zeit zum Grüssen und Wieder- 
grüssen. Wir mussten eilen, den Kaffee einzunehmen, der 
in dem Bahnhofsrestaurant prompt und in ausgezeichneter Güte 
bereit gehalten war. Dann ging es wieder an die Wagen. 
Noch ein Händedruck mit den schnell lieb gewonnenen Sanges- 
freunden, noch ein Gruss und vorwärts gings, begleitet von 
den Hochrufen der Innsbrucker, der Passhöhe des Brenner 
entgegen. Den lieben Innsbrucker Sangesfreunden aber sei 
auch hier ein herzinniges „Grüss Gott!“ bis auf fröhliches 
Wiedersehen zugerufen. 
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