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7. Neapel

Full text: Sängerreise der Berliner Liedertafel nach Italien (Public Domain)

Nachdem die Ouverture verklungen war, betrat die Sänger- 
schar das Podium, Ein tosendes Rufen, Händeklatschen und 
nicht endenwollendes Tücherwehen und Hüteschwenken. aus 
dem Parterre empfing uns und hob unsere freudige Zuversicht. 
Als der Chormeister den Taktstock erhob, verstummte wie 
auf Kommandowort die bis dahin sehr lebhafte Unterhaltung, und 
aller Augen hafteten gespannt auf den fremden Sängern. 
Über die bis dahin finsteren Züge des Chormeisters ging ein 
fröhliches Leuchten; er war nun seiner Sache sicher. .. Schon 
nach dem ersten Chore, erhob sich ein;Beifall, wie, wir ihn 
bis dahin noch kaum vernommen, ja nicht einmal für möglich 
gehalten hatten. Das war das oft geschilderte Temperament 
der Südländer! Die „Bravos“, die „Bis“- Rufe wollten schier 
kein Ende. nehmen.‘ Und so ging es fort von Nummer zu 
Nummer! Manche Lieder wurden so stürmisch da capo ver- 
langt, dass trotz der späten Stunde die Wiederholung gewährt 
werden musste, So‘z. B. der „Saluto all Italia“ von. Zander, 
Amor im Nachen von Gastoldi u. s. w. Aber auch die spezifisch 
deutschen Lieder, z. B. die Märznacht von Kreutzer, fand leb- 
hafteste Anerkennung. Grosses Interesse gab sich auch kund, 
als sich Chor und Orchester vereinigten, um den gewaltig 
wirkenden Chor; „Auf die bei Termopylä Gefallenen“ . auszu- 
führen. Derartige Darbietungen von einem so grossen Männer- 
chor waren den Hörern offenbar vollständig neu und wurden 
mit Beifall überschüttet. Die Züge des Chormeisters hellten 
sich immer mehr auf; war es doch auch eine Thatsache, dass 
in der südlichen Sonne die Tenöre wieder‘ sangen wie in 
alter. Zeit, was unter den. Anstrengungen "der Reise nicht 
immer der Fall gewesen war. ‚Versicherten uns doch unsere 
hörenden Mitglieder, dass der Chor während der ganzen Reise 
kaum so voll und frisch gesungen habe, wie hier in Neapel, 
in dem gewaltigen Raume des San Carlotheaters. Frau Emilie 
Herzog, von dem Komiteemitgliede Principe di Casamassima 
auf die Bühne geleitet, feierte ebenfalls rauschende Triumphe. 
Wie sang aber die hochgeschätzte Künstlerin auch die grosse 
Arie ‚aus dem Freischütz! Wir Sänger alle, die wir doch schon 
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