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7. Neapel

Full text: Sängerreise der Berliner Liedertafel nach Italien (Public Domain)

und Weise führte. Leicht fügten sich die Musiker Seinen 
Intentionen, und beruhigt sahen wir dem letzten Konzert abends 
entgegen. -— 
Nach der Probe blieben noch einige Stunden zur freien 
Benutzung und zum Diner. Man wanderte hier und da durch 
die engen Gassen, um sich an dem echt italienischen Treiben 
zu ergötzen. In den Arkadenhallen des Theaters San. Carlo 
hatten die öffentlichen Schreiber ihre Tische aufgeschlagen. Man 
beobachtete, wie allerhand intime Vorgänge hier auf der Strasse 
vor den Häusern sich abspielen. Man schritt durch das dichte 
Volksgewühl und staunte, wie Hirten ihre Ziegenherden ohne 
Schwierigkeiten durch die belebten Strassen führen, wie die 
Ziegen gleich auf den Strassen gemolken werden, und wie die 
frische Milch gleich dort verkauft, oder wohl gar in einer 
bauchigen Korbflasche, die an einer Leine befestigt.ist, zu den 
oberen Stockwerken hinaufgezogen wird. Man wanderte. auch 
wohl ein wenig am Meeresstrande entlang und besuchte das so 
malerische, doch unendlich schmutzige „Santa Lucia“. Auch hier 
sah man das neapolitanische Strassenleben in unverhüllter, nack- 
tester Deutlichkeit. Unwillkürlich trat man manchmal zur Seite, 
um diese oder jene fragwürdige Gestalt nicht zu streifen. Ebenso 
bog man aus, wenn man merkte, wie die Mütter soeben auf den 
krausen Köpfen der braunen Kinder gewisse Reinigungsversuche 
vornahmen. Unaufhörlich tönten uns dazwischen von den 
prachtvoll zerlumpten Bettelbuben der dringende Ruf: Signor! 
soldi! soldi! entgegen. Auf dem Strassenpflaster kugelten sich 
die Unermüdlichen koboldartig vor uns her, und manches 
Kupferstück fiel in die begehrlich ausgestreckten braunen 
Hände. — Dann war es Zeit, zum Diner zu gehen und sich 
zum Konzert zu rüsten. 
Um 9 Uhr abends sollte das Konzert beginnen. Aber, 
als zur festgesetzten Stunde die Sänger erschienen, war das 
Theater fast leer! — So wurde es denn !/210 Uhr, ehe be- 
gonnen werden konnte. ‚Dafür war aber nun auch dies 
„schönste und grösste Theater der Welt“, wie es die Neapo- 
litaner mit Stolz nennen, bis zum letzten Platz gefüllt. In der 
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