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7. Neapel

Full text: Sängerreise der Berliner Liedertafel nach Italien (Public Domain)

nach des Tages Mühen zu rasten und dem Magen seine Rechte 
werden zu lassen. 
Ein Mitglied der deutschen Kolonie, Herr Schellenberg, 
hatte Frau Emilie Herzog, Herrn Dr. Welti, sowie die 
Vorstandsmitglieder eingeladen, ihn diesen Abend zu besuchen. 
Wir folgten dieser so liebenswürdigen Aufforderung und ver- 
brachten in dem gastfreien Hause des kunstliebenden Herrn 
einen äusserst angenehmen Abend. Als Gäste des Herrn 
Schellenberg lernten wir auch unsern berühmten Landsmann, 
den Komponisten des „Hänsel und Gretel“, Herrn Professor 
E. Humperdinck nebst Gemahlin, kennen. Es kam uns fast 
vor, als ob wir zu Hause waren hier mitten im fremden Lande 
unter lieben deutschen Freunden und Landsleuten. Mit den 
angenehmsten Erinnerungen denken wir an die fröhlichen 
Stunden zurück. 
10. April. 
Pompei; Probe; Konzert im San Carlotheater. 
Der 10, April war für die Reisegesellschaft recht an- 
strengend, aber dafür auch lohnend und reich an Erfolgen. 
Frühzeitig wurde aufgebrochen, um rechtzeitig die „stazione“ 
zu erreichen, von wo aus die Fahrt nach dem weltberühmten 
Pompei angetreten werden sollte. Sämtliche Liedertäfler waren 
zur Stelle. Die Morgensonne bestrahlte die Stadt und das 
blaue Meer und — den Vesuv. Immerfort zur Linken . der 
Bahn sahen wir die beiden Kegel. Der Vesuv selbst, mit der 
ständigen Rauchsäule auf dem Gipfel, die bald schwächer, bald 
dunkler und drohender sich zu den Wolken emporhob, hatte 
über Nacht einen wirklichen Schneemantel angezogen, der die 
ganze Kuppe bedeckte. Über dieser leuchtenden, glitzernden 
Schneedecke die glänzenden Morgensonnenlichter, und noch 
höher der dunkle Rauch des Kraters: welche Gegensätze, und 
wie vereinigte sich doch das alles zu einem prächtigen Bilde! 
Wandte man den Blick zur Rechten der Bahn, so lag der 
wundervolle Golf von Neapel vor uns, „das Schönste in diesem 
schönen Lande, ein Stück Himmel, auf die Erde gefallen.“ 
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