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7. Neapel

Full text: Sängerreise der Berliner Liedertafel nach Italien (Public Domain)

Staunen nicht heraus über die hoch entwickelte Kunst in 
diesen vor Jahrtausenden verschütteten Städten. Viele der auf- 
gefundenen Kunstschätze von Herculanum und Pompeji sind 
freilich schon in’s Ausland gewandert, bis endlich. der Staat 
sein Veto einlegte und hier im „Museum Nazionale“ alles 
vereinigte, was die Ausgrabungen zutage gefördert haben. 
Wochen und Monate würden dazu gehören, diese Schätze ein- 
gehend zu studieren; dennoch war der flüchtige Eindruck schon 
ein gewaltiger und ein bleibender, 
Dann ging es wieder hinaus in die Strassen der Stadt, 
Manche eilten schnell hinab an das Meeresufer, um das be- 
rühmte Aquarium des Professor Dr. Dohrn noch zu besuchen. 
Andere zogen es vor, die Strassen Neapels zu durchwandern, 
um von dem Leben und Treiben des Volkes in Neapel einen 
Eindruck zu gewinnen. Und das war wirklich ein höchst 
lohnender Vorsatz. Es war ein Sonntag Nachmittag! Es 
kam uns das in dem Hasten und Jagen der Reisestimmung 
eigentlich erst zum Bewusstsein, als wir inmitten der festlich 
geputzten, treibenden, tosenden, drängenden Menge den alt- 
berühmten „Toledo“ zurückwanderten, dem Meere zu. Der 
Regen hatte endlich aufgehört, die Sonne fing wieder an zu 
leuchten. Ja, das war Neapel, wie es uns So oft geschildert 
war, wie wir es uns in der Phantasie nach Reiseberichten 
und Bildern vorgestellt: hatten! Das war erst das wirkliche 
Italien; denn die anderen grossen italienischen Städte zeigen 
doch fast alle den Zug, mit dem Alten aufzuräumen und sich 
dem modernen Städtebild zu nähern. — Der „Toledo“ ist die 
belebteste Strasse Neapels. Sie gilt. für die dortigen Begriffe 
auch als „breit‘‘. — Welch ein Gewoge hin und her, zu Fuss 
und zu Wagen. Die schmalen Trottoire können die Massen 
nicht aufnehmen, ein Teil des Strassendammes wird ebenfalls 
als Wandelbahn in Anspruch genommen. Der „Corso“ war 
in vollstem Gange. Man muss dies Treiben gesehen haben, 
um sich eine Vorstellung davon machen zu können. In der 
Mitte zwei Wagenreihen; dicht hinter und neben und durch- 
einander elegante Equipagen mit schönen, glutäugigen Frauen 
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