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6. Rom

Full text: Sängerreise der Berliner Liedertafel nach Italien (Public Domain)

Nach dem Konzert blieb noch etwas Zeit bis zum Abend, 
die schnell ausgenutzt wurde. In grossen Trupps fuhren die 
Liedertäfler zu den Höhen des Monte Pincio hinauf, um hier 
beim Schein der sinkenden Sonne einen Überblick über die 
Siebenhügelstadt zu gewinnen. Und wahrlich, es lohnte sich, 
diesen berühmten Aussichtspunkt aufzusuchen. Da lag sie 
vor. uns, .die gewaltige Stadt. Die zahllosen Kuppeln der 
Kirchen, die gewaltigen Paläste erglänzten im Abendsonnen- 
schein, alle überragt und beherrscht von dem mächtigen Dom 
St. Peters. Es gingen uns die Worte des Dichters durch den 
Sinn, der auch vielleicht von hier aus auf die Stadt hernieder- 
blickte, als er schrieb: 
„Weich und wonnig weht die Luft 
Wenn’s Ostern wird am Tiberstrom, 
Glanzvoll ragt aus goldnem Duft 
Die Kuppel von Sankt Peters Dom. 
Kirche reiht an Kirche sich, 
Pallast steigt an Pallast empor, 
Und drüber hin tönt feierlich 
In blauer Luft der Glocken Chor. 
Das hallt und klinget fort und fort, 
Bis draussen, wo’s so still und grün, 
Wo Trümmer hier und Trümmer dort 
Im Frühlingssonnenglanze glüh’n, 
Wo über Mauern, alt und braun, 
Cypressen schau’n und Pinien, 
Und fern in Zauberschönheit blau’n 
Der Berge feine Linien.“ 
Doch nach und nach senkte sich der Abend hernieder, 
Hier und da erglühten die goldenen Kuppeln unter den letzten 
Strahlen der scheidenden Sonne, dann trat schnell die Dämme- 
rung in ihre Rechte und zog ihre Schleier über all die Herr- 
lichkeiten.  Merkwürdig war es auch, wie schnell die Luft, 
die so lange „weich und wonnig“ war, plötzlich kühl, ja fast 
kalt aus der Campagna hereinwehte. Es war unseres Bleibens 
nicht mehr auf jener Höhe. Wir bestiegen die Wagen und 
fuhren zu den Quartieren oder zu den Restaurationen, den 
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