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welt ihren Anhalt zu suchen und zugleich die uncontrollirbaren Verbreiter
ansteFender Krankheiten werden. /Mit vollem Grunde varf
angenommen werden, daß die verfügten Ausweisungen der Regel
nac< illusorisch sind. Die Ausgewiesenen bleiben in Berlin. Ein
Theil der in diese Kategorie gehörigen Frauen sucht sic bekanntlich
mit hier domicilirten Männern, die der gleichen sittlichen Stufe angehören,
zu verheirathen, um hinter vem De>mantel der Ehe ihr ehrloses
Gewerbe mit möglichster Sicherheit weiter zu treiben. Zwar
sind von den zuständigen kirchlichen Instanzen in Verbindung mit der
Polizeibehörde die erforderlichen Maßnahmen getroffen, um dieser Entwürdigung
der Che na< Möglichkeit vorzubeugen. Es bedarf aber
nur des Austrittes aus der Landeskir<he, um für die von kir<licher
Seite beanstandete Trauung in der Civilehe zur De>ung des Frevels
einen Ersatz zu finden. Wir führen vas an, um eine beachtenswerthe
Thatsache zu constatiren, keine8wegs um gegen die Civilehe als solche
zu sprechen.
Die an solcherlei Ehen betheiligten Männer gehören der zahlreihen
Klasse meistens noc< jugendlicher Personen an, die, unter dem
Namen „Louis“ bekannt, ven Anhang von Prostituirten bilden und,
ohne zu arbeiten, von diesen mit ernährt werden. Zu Tausenden zählend,
bilden sie in der Bevölkerung Berlin's eines der gefährlichsten
Elemente, in dem zugleich eine Frucht" der Prostitution offenkundig
genug zu Tage tritt. =- Es muß hiebei darauf hingewiesen werden,
daß die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit in Berlin und die vorkommenden
Verbrechen , die bi8weilen in erschrefenden Gestalten auftreten,
mit dem Umsichgreifen der Prostitution, direkt und indirekt,
vielfach in nahem Zusammenhange stehn. Jeve Session des Shwurgerichts
giebt dafür die überführenden Beweise. Hier erwähnen wir
nur, daß na<h den amtlichen Polizeiberichten die Zahl der Kinderleichen,
die im Läufe des vorigen Jahres (1868) in Berlin, zum Theil mit
ven Spuren der Gewaltthat, in Senkgruben, Aborten und Gossen, in
Kanälen, zwischen Dachsparren u. s. w. aufgefunden sind, 54 betragen
hat, =- sicherlih nur ein Theil der bei Seite geschafften Kinderleichen.
Soeben bringen die öffentlichen Blätter die Notiz, daß an einem
Tage drei Leichen von Neugeborenen gefunden sind. Die im vorigen
Jahre in Berlin geborenen unehelichen Kinder haben 14,8 pCt. der
sämmtlihen Geburten betragen, =- ein Prozentsatz, der, so erheblich
er ist, freilich gering erscheint gegen die Zahl der unehelihen Geburten
in München und derer in Wien, die in demselben Jahre mehr als
50 pCt. sämmtliher Geburten betragen haben. =- Wie sehr Berlin
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