Path:
I. Die Mark Brandenburg VI. Wasserwege der Mark Brandenburg

Full text: Heimatkunde der Provinz Brandenburg und der Stadt Berlin / Thurn, Bernhard (Public Domain)

20 --- 
Hohenauer See; diese beiden Seeen stehen mit der Havel in Ver- 
bindung. Durch einen Arm ist der Rhin nicht weit von seiner 
Mündung mit der Dosse verbunden. 
Die Havel begrenzt auf 3 Seiten eine dem Warthe- und 
Oderbruch ähnliche Niederung, das Havelland. Jm Norden bilden 
der Rhin und der Ruppiner Kanal die Grenze. Das Havelland 
wird von zahlreichen Kanälen und Gräben, Seeen und Lachen 
durchschnitten. Ein großer Kanal, der Hauptgraben genannt, 
durchschneidet es von Osten nach Westen, indem er oberhalb der 
Stadt Spandau aus der Havel abgeht und unterhalb Rathenows 
wieder hineinführt. 
Das Havelland besteht aus dem havelländischen Luch; es ist 
7 Meilen lang und 12/5 Meile breit, und liegt um den Haupt- 
graben herum zwischen Fehrbellin, Friesa>, Nauen, Rathenow und 
Spandau ; teils ist es fettes Marschland, teils ein bewachsenes 
Bruch. Ein anderer Teil ist das Rhinluc< längs des Rhins, 
6 Meilen lang und eine halbe Meile breit. Hierzu gehören das 
Kremmsche, Linumsche und Fehrbellinische Luch. Drittens besteht das 
Havelland aus dem toten Busch an der Dosse, zwischen Havelberg 
und Wusterhausen, einer sehr moorigen StreXe. ZJm Rhinluch 
sind bedeutende Torfstiche. Leider sind die Torfablagerungen bei 
dem Dorfe Linum beinahe ausgebeutet. Der Ackerbau steht im 
Havellande wie in allen Niederungen in höchster Blüte. Man 
sieht dort ausgedehnte Wiesenflächen und fruchtbare Ae>er. Roggen, 
Weizen, Hafer, Gerste, Kartoffeln und Rüben gedeihen im Havel- 
lande vortrefflich. Ferner merken wir die im Havellande sich er- 
yebenden Höhengegenden bei Rhinow, Friesa> und Fehrbellin, das 
Land Glin bei Kremmen, den Marienberg bei Brandenburg und 
den, Pfingst- und Ruinenberg bei Pot8dam, 77 und 75 m hoch. 
Das Rhin- und Havelluch waren vor der Urbarmachung 
Wildnisse , welche ein Seitenstü> zu den Urwäldern Süd-Amerikas 
bildeten. Weit und breit bedeckte ein Rasen von bräunlich-grüner 
Farbe mit einer Unterlage von zusammmengefilzten Wurzeln die 
wassergleiche Ebene, deren kurze Gras8halme besonders den Ried- 
gräsern angehörten. Nur im Sommer und im schönsten heitersten 
Wetter war das Luch gangbar; dann mähte man das Gras, allein 
nur an wenigen Stellen konnte dasselbe abgefahren werden. Ferner 
suchten die Bewohner der umliegenden Ortschaften dem Luche da- 
durch einigen Nußen abzugewinnen, daß sie ihre Kühe darin 
weiden ließen. 
Friedrich Wilhelm [., ein wahrer Vater seines Landes, sorgte 
troß aller Hindernisse für die Urbarmachung und Troenlegung 
des Havelluches.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.